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Dr. Mark Post mit Clean Meat Burger in der Hand

In-vitro-Fleisch: alle wichtigen Infos

12.12.2019

Clean Meat – Das saubere Fleisch der Zukunft

Fleisch, für das kein Tier sterben muss – das klingt unrealistisch? Fest steht: Die heutige Produktion von tierischen Lebensmitteln zwingt Milliarden fühlender, intelligenter Lebewesen zu einem Dasein in extremen Haltungsbedingungen. Psychische Traumata und schmerzhafte Eingriffe gehören zum Alltag der sogenannten Nutztiere.

Viele Menschen denken um und greifen zu vegetarischem oder veganem Fleischersatz. Dabei handelt es sich nicht um echtes Fleisch, sondern um Imitate aus Soja, Seitan, Erbsen- oder Lupinenprotein. Was wäre nun, wenn es eine Möglichkeit gäbe, Fleisch zu produzieren, das genauso aussieht, riecht und schmeckt wie richtiges Fleisch? Ein Produkt, das aus echtem Fleisch besteht, ohne aber ein Tier dafür  schlachten zu müssen? Die gute Nachricht: Dieses Fleisch gibt es bereits! Es wird In-vitro-Fleisch oder Clean Meat genannt. Noch ist es nicht für einen breiten Markt verfügbar.

Werden Menschen das Laborfleisch essen, wenn sie die Wahl haben? Wir denken: Je mehr Informationen Verbraucher haben, desto besser können sie eine bewusste Kaufentscheidung treffen. Hier finden Sie viele wichtige Hintergrundinformationen zum Fleisch der Zukunft – vom Entstehungsprozess des In-vitro-Fleischs bis hin zur Zukunft von Clean Meat.

Fleisch der Zukunft: Wie soll es heissen?

Verschiedene Startups wie Mosa Meat, Hampton Creek und Memphis Meats arbeiten derzeit nur an einem Thema – die Herstellung von Fleisch, ohne ein Tier dafür zu töten. Sogenanntes kultiviertes, In-vitro- oder auch Labor-Fleisch, auch als «Clean Meat» bezeichnet, ist eine bahnbrechende Technologie. Sie könnte das globale Ernährungssystem revolutionieren.

Laut dem «Good Food Institut» (USA), ist der Begriff «Clean Meat» – also «Sauberes Fleisch» eine präzise Weise das neuartige Fleisch zu beschreiben, denn der Begriff ist vergleichbar mit «Sauberer Energie». Der Name beschreibt wichtige Aspekte der Technologie: die positiven Auswirkungen auf die Umwelt einerseits und die Abwesenheit von Krankheitserregern oder Arzneimittelrückständen andererseits.

Eines der Startups, die an der Entwicklung des Clean Meat arbeiten, ist das Niederländische Unternehmen Mosa Meat, welches durch den Wissenschaftler Dr. Mark Post der Universität Maastricht gegründet wurde. Dr. Post war der Wissenschaftler, der in 2013 den ersten Clean Meat-Burger der Öffentlichkeit präsentierte. Daher ist er auch bekannt als Vater des Clean Meat. Seine drei Hauptmotive für die Entwicklung des Clean Meat sind:

  • Ernährungssicherheit
  • Umweltschutz
  • Tierschutz

«Die Ernährung von zwei Milliarden mehr Menschen bis 2050 und die steigende Nachfrage nach Fleisch, üben gewaltigen Druck auf die Futtermittelproduktion, sowie auf die Viehzucht und Nutztierhaltung aus. 

Rinder sind hauptverantwortlich für die Treibhausgasemission, die beendet werden könnte. Hinsichtlich des Tierschutzes würden, durch die Dezimierung der Nutztieranzahl, viel weniger Nutztiere geschlachtet und die restlichen könnten unter besseren Bedingungen gehalten werden»

Dr. Mark Post, Erfinder des Clean Meat

Was ist Clean Meat genau?

Fleisch, das wir essen, besteht in erster Linie aus tierischen Muskelfasern. Während bislang für Fleisch immer ein Tier sterben musste, wird Clean Meat durch die Entnahme von Muskelstammzellen am lebenden Tier hergestellt. Es muss also kein Rind, Schwein oder Huhn dafür getötet werden. Der Eingriff der Stammzellenentnahme ist mit einer Blutabnahme vergleichbar. Die Stammzellen werden anschliessend ausserhalb des Tierkörpers in einer Zellkultur hergestellt, vermehren sich und bilden sich zu Muskelzellen aus. Nach ausreichender Vermehrung sind so viele Muskelfasern vorhanden, dass letztendlich Fleisch daraus entsteht.

Das Endprodukt stimmt zu 100 Prozent mit dem herkömmlichen Fleisch überein. Der Begriff «Kunstfleisch» oder «künstliches Fleisch» ist daher etwas irreführend. Im Herstellungsprozess wurde bislang ein Serum verwendet, das von Kälberföten stammte. Dieses ist laut Dr. Post nun nicht mehr notwendig. «Es gibt viele Gründe, weshalb auf Kälberserum verzichtet wird. Zum einen ist es nicht nachhaltig, das Serum von ungeborenen Kälbern zu gewinnen ist mit unseren Tierschutzstandards unvereinbar und darüber hinaus gibt es ein Erkrankungsrisiko.» Derzeit wird an Optimierungsmöglichkeiten mit einem pflanzlichen Serum als Bindemittel geforscht.

Clean Meat kann mit vielen tierischen Zellen von Säugetieren, Vögeln und auch Fischen hergestellt werden. Finless Foods ist ein weiteres Startup, das sich auf die Entwicklung von Fischprodukten fokussiert. Durch die Entnahme von Zellmaterial bei Fischen ist das Unternehmen in der Lage Fischprodukte herzustellen, ohne Tiere dafür zu töten.

Die Produktionsphasen von Clean Meat dargestellt in einer Infografik

Clean Meat: Akzeptanz ist hoch

Clean Meat ist die Lösung vieler Probleme. Trotzdem steht die Produktion noch vor technischen, finanziellen und organisatorischen Herausforderungen. Im Herstellungsprozess gibt es Optimierungsmöglichkeiten, da neben den Muskelzellen keine weiteren tierischen Inhaltsstoffe verwendet werden sollten.

Für die weitere Forschung und Entwicklung sind Mosa Meat und andere Startups auf finanzielle Mittel angewiesen, die durch öffentliche Fördergelder nur schwer aufzubringen sind. Viele, so auch Dr. Post, schauen aber hoffnungsvoll in die Zukunft. Immer mehr Investoren zeigen Interesse und nach neusten Studien ist die Akzeptanz der Konsumenten gegenüber Clean Meat durchaus positiv.

Dr. Post sagt: «Zahlreiche Umfragen innerhalb der EU und in den USA zeigen, dass die Mehrheit – 20 bis 50 Prozent – Clean Meat probieren würden. Wir sind sehr sicher, dass – sofern wir erst einmal die gewünschte Produktqualität und einen gewissen Preis erreicht haben – die Vorteile dem Konsumenten zuspielen werden.»

Die Einführung von Clean Meat in Restaurants und speziellen Läden wird in etwa drei bis vier Jahren möglich sein. Weitere drei Jahre werden vergehen, bis das Fleisch in den Supermärkten erhältlich ist. Anhand der Akzeptanz der Bevölkerung wird sich zeigen, ob es sich als Nischenprodukt entwickelt – oder als Produkt, welches das gesamte Ernährungssystem revolutionieren wird.

Was denken Sie über Clean Meat? Würden Sie es probieren? Teilen Sie uns gerne Ihre Gedanken mit unter: nutrition@four-paws.org. Wollen Sie mehr über Mosa Meat, Dr. Mark Post und sein Team wissen? Hier geht es zur Website von Mosa Meat.

Tipp: Hier erfahren Sie, wie Tierschutz und Ernährung zusammenhängen, was Fleischkonsum für die Umwelt bedeutet – und wie Sie sich schon heute mit dem Ernährungs-Prinzip der «3R» für Nutztiere einsetzen können!