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Kuh und ihr Junges

Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht

Kälber dürfen bei ihren Müttern oder Ammen aufwachsen

Die Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht findet bei Landwirten wachsendes Interesse. Immer mehr Milchviehhalterinnen und -halter möchten die Kälber länger bei ihren Müttern lassen und die Kühe trotzdem melken. Die Kuh und ihr Kalb sollen damit ihre natürliche Beziehung ausleben können. Einige Bäuerinnen und Bauern haben mit der Muttergebundenen Kälberaufzucht Erfahrungen gesammelt und eigene Verfahren entwickelt. Im Merkblatt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) werden diese Erfahrungen für andere Tierhalterinnen nutzbar gemacht. Die Broschüre vermittelt zahlreiche Ideen für die Organisation der muttergebundenen Kälberaufzucht und die passende Einrichtung des Stalls.

Hier gelangen Sie zum Merkblatt des FiBL «Mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung».

Tolle News: Rechtliche Unsicherheit gehört bald der Vergangenheit an

In der Schweiz gibt es derzeit noch eine grosse Hürde zu überwinden, damit die Mutter- oder Ammengebundene Kälberaufzucht gefördert werden kann: Es herrscht derzeit noch eine rechtliche Unsicherheit aufgrund einer veralteten Definition von «Milch» in der Schweizer Gesetzgebung: Milch darf nämlich nicht als solche verkauft werden, sofern ein Kalb aus dem Euter der zu melkenden Kuh trinkt. Dies ist so wegen Hygienebedenken und einer veralteten Definition bezüglich der Ablieferung des gesamten Gemelks. Die Bedenken bezüglich der Hygiene sind aber wissenschaftlich wiederlegt und auch bei alternativen Melkverfahren, wie z.B. der Verwendung von Melkrobotern, wird auch nicht nur, wie früher ausschliesslich üblich, zweimal das gesamte Gemelk abgeliefert. Daraus entsteht eine rechtliche Unsicherheit für Produzenten, welche das Kalb bei ihrer Mutter lassen und die Kuh gleichzeitig melken. Glücklicherweise wird diese rechtliche Unsicherheit hoffentlich bald der Vergangenheit angehören: Derzeit ist die entsprechende Verordnung im Revisionsprozess. Im neuen Verordnungsentwurf ist die Definition von Milch so formuliert, dass die Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht möglich ist! VIER PFOTEN hat im Vernehmlassungsprozess ebenfalls Stellung genommen. 

Der nächste Schritt ist, dass die Verordnungsänderung von der zuständigen Behörde angenommen wird, und die rechtliche Unsicherheit für die Produzenten somit endlich wegfällt. Dann ist zu hoffen, dass in der Milchindustrie ein Umdenken stattfindet und möglichst viele Milchproduzenten auf diese deutlich tierfreundlichere Form der Milchviehhaltung umsteigen werden! Die Kühe und Kälber der Milchindustrie werden es danken!

Update 23.08.2019 - Ergebnisse zur Umfrage

Anfang August haben wir unsere User via Newsletter, Social Media und über diesen Artikel zum Thema der Mutter- und Ammengebundenen Kälberaufzucht befragt. Ziel der Umfrage war es, herauszufinden wie Sie zum Thema stehen und ob Sie bereit wären mehr für Milchprodukte zu bezahlen, wenn Kälber bei ihren Müttern aufwachsen dürften. Insgesamt haben in der Deutschschweiz 890 Personen an der Umfrage teilgenommen.

Die Umfrage hat gezeigt, dass 85% der Teilnehmer bereits für das Thema sensibilisiert waren. Nur 15% gaben an, dass sie nicht gewusst hätten, dass Kälber in der Regel kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt werden. 96% der Befragten würden. Milchprodukte aus einer Tierhaltung bevorzugen, bei der das Kalb bei seiner Mutter oder einer Ersatzmutter aufwachsen darf.

Die Teilnehmer gaben ebenfalls klar an, dass es ihnen nicht egal wäre, ob das Kalb bei seiner Mutter, einer Ersatzmutter oder alleine aufwächst. Ebenso versichern 89%, dass sie auf jeden Fall, Milchprodukte aus kuhgebundener Kälberaufzucht kaufen würden, wenn diese in der Schweiz erhältlich wären. Für 1.8% der Teilnehmer wäre diesbezüglich der Preis entscheidend und lediglich 0.6% sprechen sich gegen einen Aufpreis aus. 8% geben an vegan zu leben und deshalb sowieso keine Milchprodukte zu kaufen. Bei der Frage danach, wie viel mehr sie als Konsumenten denn bereit wäre zu zahlen, gab die Mehrheit an, einen Aufpreis von 20% auf Milchprodukte aus kuhgebundener Kälberaufzucht zu tolerieren.