Kuh auf der Wiese stupst ihr Kalb mit der Nase an

Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht

Kälber dürfen bei ihren Müttern oder Ammen aufwachsen

18.1.2021

Nur eine Kuh, die kalbt, gibt Milch 
In der Schweiz leben rund 500’000 Milchkühe. Milchkühe geben aber nicht «einfach so» Milch. Die Milch ist eigentlich zur Ernährung ihres Kalbes gedacht – es ist Muttermilch. Nur wenn die Kuh ein Kalb zur Welt gebracht hat, produziert sie auch Milch. Somit gebären Milchkühe jedes Jahr ein Kalb. Weil wir Menschen jedoch die gesamte Milch nutzen wollen, werden Kuh und Kalb meistens kurz nach der Geburt voneinander getrennt und die Kälber verbringen ihre ersten Wochen alleine in den sogenannten Kälberiglus. Kontakt zu Artgenossen gibt es oftmals nur durch Gitterstäbe und sie erhalten die Milch oder oft gar nur Milchersatz aus Nuckeleimern oder Tränkeautomaten. Darunter leiden sowohl die Kälber als auch ihre Mütter sehr, denn Kühe möchten ihre Kälber umsorgen und die Kälber brauchen ihre Mütter, da sie gänzlich ohne eigenes Immunsystem geboren werden.

Die natürliche Beziehung ausleben
Es gibt eine Alternative: die mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht. Dabei wird den Kälbern ermöglicht, mehrere Monate bei ihrer Mutter oder einer Amme zu bleiben und am Euter zu trinken. Kuh und Kalb können so ihre natürliche Beziehung ausleben und durch die Aufnahme von Muttermilch erhält das Kalb wichtige, auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Nährstoffe, um sich gesund zu entwickeln. Aus Tierschutzsicht ist eine solche Produktionsweise eine bedeutende Verbesserung des Tierwohls für Kuh und Kalb. Lange war die Zulässigkeit der muttergebundenen Kälberaufzucht aufgrund einer fragwürdigen, veralteten Rechtsnorm umstritten. Mit der Revision des Lebensmittelrechts wurde die rechtliche Hürde beseitigt und seit Sommer 2020 dürfen die Kälber nun offiziell bei ihren Müttern bleiben und ganz natürlich die Milch aus dem Euter der Mutter trinken.

Erst wenige Betriebe in der Schweiz
Von rund 19'000 Milchbetrieben gibt es weniger als 30 bereits bekannte Betriebe, die ihre Kälber bei den Müttern aufwachsen lassen. Man sieht zwar viele Kühe mit ihren Kälbern. Was aber viele nicht wissen ist, dass es sich dabei nicht um Milchkühe, sondern um Rinder in der Fleischmast handelt. Dort hat sich die Mutterkuhhaltung bereits vor einigen Jahren etabliert. VIER PFOTEN hofft nun, dass möglichst bald viele Milchbetriebe auf diese tierfreundlichere Milchproduktion umsteigen.

Im Merkblatt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) werden diese Erfahrungen für andere Tierhalterinnen nutzbar gemacht. Die Broschüre vermittelt zahlreiche Ideen für die Organisation der Muttergebundenen Kälberaufzucht und die passende Einrichtung des Stalls.

Käse und Milch aus muttergebundener Kälberaufzucht

Möchten Sie Produkte aus dieser tierfreundlicheren Art der Milchproduktion probieren? Bei Cowpassion können Sie Käse aus muttergebundener Kälberaufzucht bestellen. Ausserdem gibt es eine Karte, die Betriebe und Verkaufsstellen für Milch und Milchprodukte aus muttergebundener Kälberaufzucht aufzeigt!

Tipp: Lesen Sie auch unsere Artikel zum Thema Alternative Milchkuhhaltung und Weideschlachtung!

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