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Milchkuh

Milchkühe

12.10.2017

Was steckt hinter Ihrem täglichen Glas Milch?

Jedes Jahr erleben etwa 750’000 Kuhmütter in der Schweiz eine schreckliche Trennung: Wenige Stunden nach der Geburt werden die allermeisten von ihnen von ihrem Kälbchen getrennt. Dies, damit die ganze Milch (in der Fachsprache das Gemelk) für Joghurt, Käse, Butter usw. abgemolken und verwendet werden kann. Das Kalb wächst die ersten paar Lebenswochen alleine auf und erhält statt ständig verfügbarer und perfekt auf das Kalb abgestimmter Muttermilch direkt aus dem Euter, ein paar Mal täglich Milch oder Milchersatz aus dem Nuckeleimer!

Diese Vorgehensweise für die Gewinnung von Milch ist sowohl in der Schweiz wie auch im Ausland gang und gäbe. Obwohl die Tierschutzprobleme der Trennung von Kuh und Kalb offensichtlich sind, gibt es erst vereinzelt tierfreundlichere Methoden. Wir möchten auf den folgenden Seiten mehr Infos zu dem eher unbekannten Tierschutzthema bieten und laden Sie ein, sich über die Probleme, Lösungsansätze und die aktuelle Situation in der Schweiz zu informieren und sich ihre eigene Meinung zu bilden.

Milchersatz für das Kalb ohne Mutter

Die Kälber erhalten danach meistens Milchersatz, ein Gemisch aus Magermilchpulver und Wasser. In der Folge werden sie oft krankheitsanfällig. Auch entwickeln sich Verhaltensstörungen, da die Kälber ihr natürliches Bedürfnis, am Euter der Mutter zu saugen, nicht befriedigen können. Die Fürsorge und Pflege ihrer Mutter erfahren diese Kälber nie.

Es geht auch anders

Die Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht findet bei Landwirten wachsendes Interesse. Immer mehr Milchviehhalterinnen und -halter möchten die Kälber länger bei ihren Müttern lassen und die Kühe trotzdem melken. Die Kuh und ihr Kalb sollen damit ihre natürliche Beziehung intensiver ausleben können. Einige Bäuerinnen und Bauern haben mit der Mutter- und der Ammengebundenen Kälberaufzucht Erfahrungen gesammelt und eigene Verfahren entwickelt. Im Merkblatt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) werden diese Erfahrungen für andere Tierhalterinnen nutzbar gemacht. Die Broschüre vermittelt zahlreiche Ideen für die Organisation der muttergebundenen Kälberaufzucht und die passende Einrichtung des Stalls.

Zum Merkblatt: Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht

Probieren Sie es aus: Beim Verein Cowpassion können Sie Käse aus muttergebundener Kälberaufzucht bestellen.

Eine von sechs Milchkühen steht ihr ganzes Leben nie auf einer Weide

In der Schweiz leben rund 750'000 Milchkühe. Zwei Drittel von ihnen können sich nicht regelmässig frei in der Herde bewegen, sondern leben immer noch in einem Anbindestall, während eine von sechs Milchkühen ihr ganzes Leben nie auf einer Weide steht. Vielerorts werden auch noch die für den Bau neuer Ställer mittlerweile verbotenen, elektrischen Kuhtrainer eingesetzt. Dabei handelt es ich um eine Vorrichtung, die die Kuh mittels elektrischem Schlag dazu zwingt, beim Koten einen Schritt nach hinten zu gehen.

Die natürliche Lebensdauer einer Kuh beträgt 20, teilweise sogar 25 Jahre. In der Milchwirtschaft werden die auf Hochleistung gezüchten Rassen im Durchschnitt nur noch fünf bis sechs Jahre alt. Wenn eine Milchkuh nicht mehr ausreichend Milch produzieren kann oder nicht mehr fruchtbar genug ist, wird sie in der Regel geschlachtet. Weitere, häufige Todesursachen von Milchkühen sind Eutererkrankungen, Klauen/Gliedmassen-Krankheiten oder Unfälle.

Der frühe und ständige Abgang von Kühen aus ihrer vertrauten Herde ist für die zurückbleibenden Artgenossinnen äusserst belastend. Denn Kühe sind sehr soziale Tiere, die untereinander enge und lebenslange Freundschaften bilden.

bis zu 12'000 Liter Milch im Jahr

geben Hochleistungskühe. Vergleichbar ist diese körperliche Leistung mit einem Spitzensportler, der jeden Tag einen Marathon laufen muss.

Was Sie tun können

Wie Sie tierfreundliche Milchkuhhaltung unterstützen:

  • Informieren Sie sich beim Kauf von Milchprodukten über die Haltungsbedingungen der Tiere und verzichten Sie auf Produkte aus konventioneller Haltung.
  • Bevorzugen Sie stattdessen Produkte aus tierfreundlicherer Haltung mit regelmässigem Auslauf und Weidegang oder biologisch erzeugte Produkte sowie Produkte aus mutter- oder ammengebundener Kälberaufzucht. 
  • Versuchen Sie, Ihren Konsum von Milchprodukten einzuschränken.
  • Kaufen Sie vermehrt pflanzliche Alternativen wie Hafer- oder Mandelmilch oder Produkte aus diesen. Mittlerweile gibt es eine grosse Auswahl an veganen Milch-, Joghurt- und Käsevarianten.
  • Fragen Sie auch in Restaurants, Cafés und Kantinen nach der Herkunft der verwendeten Milch oder nach pflanzlichen Alternativen. Viele Gaststätten bieten zum Beispiel Pflanzenmilch statt Kaffeerahm oder Kuhmilch an – oder wären bereit, sie bei entsprechender Nachfrage ins Angebot aufzunehmen. Je mehr Personen danach fragen, desto eher wird eine Milchalternative angeboten.
  • Protestieren Sie gegen qualvolle Haltungsbedingungen.