Pelzfarm in Finnland

Neues Gutachten zu Sars-CoV-2 Risiken in Zusammenhang mit der Pelztierzucht zeigt hohe Risiken für Europa auf 

Statement VIER PFOTEN: «Nicht auf die nächste Krankheit, die nächste Mutation oder die nächste Pandemie warten»

19.2.2021

Zürich, 19. Februar 2021 – Ein neues Gutachten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu SARS-CoV-2 bei Tieren, die für die Pelzindustrie gezüchtet werden, zeigt hohe Risiken für Europa auf.

Die gestern veröffentlichte Risikobewertung kommt zu dem eindeutigen Schluss, dass innerhalb von Pelzfarmen ein hohes Risiko der Einschleppung und Ausbreitung von SARS-CoV-2 besteht. Darüber hinaus stellen Pelzfarmen auch eine ernstzunehmende Gefahr bei der Übertragung des Virus auf Menschen und Wildtierpopulationen dar. Während das Risiko in Afrika gering und in Asien und Amerika moderat eingeschätzt wird, wird Europa als gefährdete Region identifiziert. Der Hauptgrund für diese Beobachtung ist, dass Europa die grösste Anzahl an Pelzfarmen hat und eine grosse Vielfalt an für das Virus empfänglichen Tierarten in der Pelztierzucht verwendet wird. Europäische Länder sind auch stark von COVID-19 betroffen und haben eine hohe Anzahl von Fällen bei gezüchteten Nerzen sowie Infektionen bei Farmarbeitern gemeldet. Virusmutationen, die von gezüchteten Nerzen stammen, wurden auch bei mehreren Menschen ausserhalb von Pelzfarmen nachgewiesen.

«Obwohl das Gutachten ein alarmierendes Signal an die europäische und internationale Gemeinschaft sendet, lassen die Empfehlungen zu wünschen übrig. Der Bericht empfiehlt lediglich strenge Hygiene- und Biosicherheitsmassnahmen, Monitoring und Tests. Das ist angesichts des kolossalen Risikos für die menschliche Gesundheit bei weitem nicht ausreichend. Seit April 2020 wurde COVID-19 auf mehr als 400 Nerzfarmen in Europa gefunden. Die Erfahrungen im am stärksten betroffenen Land – Dänemark mit 290 infizierten Farmen – haben gezeigt, dass die Überwachung, die verbesserte Biosicherheit und der Einsatz von Schutzausrüstung die grossflächige Ausbreitung von COVID-19 auf Nerzfarmen sowie die Ausbreitung von mit Nerzen assoziierten Virusstämmen auf Menschen nicht verhindern konnten.

Auch in anderen wichtigen Pelzproduktionsländern wie Polen oder Griechenland wurde das Virus auf Nerzfarmen nachgewiesen. Seit November 2020 fordert VIER PFOTEN die europäischen Institutionen gemeinsam mit anderen Tierschutzorganisationen auf, Massnahmen zu ergreifen und eine starke, koordinierte Reaktion zu liefern. Bis heute hat die Europäische Kommission lediglich angeordnet, dass für SARS-CoV-2-Infektionen empfängliche Tiere in den europäischen Mitgliedsstaaten überwacht und gemeldet werden müssen. Dies ist weit entfernt von der starken Reaktion, die von den europäischen Bürgerinnen und Bürgern und der Zivilgesellschaft zum Schutz der menschlichen Gesundheit erwartet wird.

Die Zuchtsaison auf Pelzfarmen beginnt im März. Die Nerze vermehren sich schnell, was auch das Risiko der Ausbreitung von Krankheiten und Mutationen erhöhen wird. Wir können nicht auf die nächste Krankheit, die nächste Mutation oder die nächste Pandemie warten. Wir fordern die Europäische Kommission auf, dieses dringende Problem anzugehen und die Nerzproduktion in Europa zum Wohle der öffentlichen Gesundheit und des Tierschutzes zu beenden.»

Thomas Pietsch, Pelz- und Wildtierexperte bei VIER PFOTEN.

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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz-und Wildtiere –wie Bären, Grosskatzen, Orang-Utans und Elefanten aus nicht artgemässer Haltung sowie aus Katastrophen-und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Grossbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in zwölf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen. In der Schweiz ist die Tierschutzstiftung ein Kooperationspartner vom Arosa Bärenland, dem ersten Bärenschutzzentrum, welches geretteten Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein artgemässes Zuhause gibt. www.vier-pfoten.ch

Chantal Häberling

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