
Rettung Tigerin Flora
Ein Neuanfang für die sanfte Tigerin, die in einem ehemaligen Zoo zurückgelassen wurde
Im August 2025 folgten wir einer Einladung der argentinischen Regierung, sowie der Leitung des ehemaligen Zoos Luján in der Provinz Buenos Aires, um eine erste Einschätzung der dort lebenden Tiere vorzunehmen. Der Zoo war 2020 aufgrund gravierender Tierschutzprobleme geschlossen worden, und unsere erste Evaluierung im Jahr 2025 bestätigte grosse Bedenken hinsichtlich Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden der verbliebenen Tiere.
Im September übernahm VIER PFOTEN die Verantwortung für die Tiere des ehemaligen Zoos und begann sofort damit, die Haltungsbedingungen vor Ort zu verbessern und dringend notwendige weitere Schritte vorzubereiten – der Beginn unserer #EmergencyMissionArgentina. Mitte November gelang uns eine umfangreiche und komplexe veterinärmedizinische Untersuchung, bei der wir über 60 Tiere behandelten und langfristige, tiergerechte Lösungen für sie evaluierten.
Unter den behandelten Tieren befindet sich auch die zehnjährige Tigerin Flora, die im ehemaligen Zoo geboren wurde. In ihrem ersten Lebensjahr wuchs sie gemeinsam mit ihrem Bruder Benjamin und einem männlichen Tiger namens Negus auf. Die drei entwickelten eine enge Bindung, wurden jedoch später getrennt, um eine Zucht zu verhindern. Seitdem lebte Flora allein in einem winzigen, zwei mal zwei Meter grossen Gehege – ohne ausreichende Stimulation, Abwechslung oder Platz zum Bewegen.
Glücklicherweise können wir Flora nun eine neue Chance auf ein artgemässes Leben in unserem FELIDA Grosskatzenschutzzentrum in den Niederlanden geben.
Ihr Leben war von grossem Leid geprägt
Flora gehörte zu den ersten von über sechzig Grosskatzen, die wir untersucht haben, da unsere erste Einschätzung ernsthafte Sorgen um ihren Gesundheitszustand aufgeworfen hatte. Sie litt unter stark eingewachsenen Krallen, die tief in ihre Pfoten eingewachsen waren – es war ihr fast unmöglich, zu laufen oder sogar zu stehen. Sie lebte in ständigen, unerträglichen Schmerzen.
Bei der tierärztlichen Untersuchung wurden zudem Zahnprobleme festgestellt, und ihr oberer linker Eckzahn musste entfernt werden. Flora wird in Zukunft weitere zahnmedizinische Nachsorge benötigen. Sie erhielt eine dringend notwendige Operation, um die eingewachsenen Krallen zu entfernen, sowie eine Behandlung der tiefen, offenen Wunden. Zusätzlich bekam sie Antibiotika, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente sowie wichtige Impfungen.
Genesung und der Weg nach vorne
Nach dem Eingriff blieb Flora zunächst in einer provisorischen Nachsorgeeinheit, damit unsere Tierärzte ihre Genesung eng überwachen und ihre Medikation fortsetzen konnten. Trotz all dessen, was sie durchstehen musste – sowohl medizinisch als auch aufgrund ihrer früheren Haltungsbedingungen – blieb Flora ruhig und sanft.
Obwohl sie inzwischen von der Nachsorgeeinheit in ein grösseres Gehege umgezogen ist, zählt sie weiterhin zu unseren Prioritätsfällen. Ihr erheblicher körperlicher Entwicklungsrückstand und die deutlichen Anzeichen langfristig mangelnder Pflege erfordern besondere Aufmerksamkeit. In ihrem neuen Zuhause, dem FELIDA Grosskatzenschutzzentrum, erhält sie regelmässige Gesundheitskontrollen, zahnmedizinische Nachsorge, eine langfristige Beobachtung und eine artgemässe Umgebung für Grosskatzen, die rehabilitationsbedürftig sind.
Zum ersten Mal in ihrem Leben wird sie Platz zum Umherstreifen und Klettern haben! Unter der Fürsorge und fachlichen Betreuung des spezialisierten FELIDA‑Teams hat Flora nun endlich die Chance zu erfahren, was es wirklich bedeutet, eine Tigerin zu sein.
Ankunft in FELIDA
Die Tigerin Flora kam wohlbehalten am Flughafen Amsterdam Schiphol an, wo ein Teil des FELIDA-Teams sie bereits erwartete. Flora war ruhig in ihrer Transportbox – lediglich müde vom langen Flug. Mit dem bereitstehenden Grosskatzen-Krankenwagen fuhren Flora und das Team weiter zu ihrem endgültigen Ziel: ihrem neuen Zuhause im FELIDA Grosskatzenschutzzentrum.
Flora wurde behutsam in ihr Eingewöhnungsgehege entlassen. Obwohl sie von der Reise müde war, zeigte sie sich wunderbar neugierig – eine Charaktereigenschaft, die sie bereits in Argentinien bewiesen hatte. Innerhalb weniger Augenblicke begann sie, ihre neue Umgebung zu erkunden.
Es war eine grosse Freude, dieser kleinen Tigerin dabei zuzusehen, wie sie sowohl ihren Innen- als auch ihren Aussenbereich entdeckte und jedes Element ihres neuen Zuhauses neugierig erforschte. Sie kletterte auf ihre Plattform, streckte ihre Krallen an einem Baum, nahm Futter von ihren Betreuern an und machte es sich schliesslich sogar in ihrem Strohbett bequem.
Floras Reise endet jedoch nicht hier – ihr Weg zur Genesung hat gerade erst begonnen. Bitte setzen Sie Ihre wunderbare Unterstützung fort, um ihre lebenslange Pflege sicherzustellen.
Update: April 2026
Wir sind zutiefst erschüttert, mitteilen zu müssen, dass die Tigerin Flora verstorben ist.
Nach ihrer Umsiedlung vom ehemaligen Zoo Luján ins FELIDA Grosskatzenschutzzentrum in den Niederlanden im Februar hat sich Flora gut eingelebt. Sie liebte ihr erstes Strohbett und genoss es, in der Sonne in ihrer Hängematte zu liegen.
Das Team von FELIDA beobachtete jedoch zunehmend Anzeichen von Schmerzen und Unwohlsein. Eine gründliche medizinische Untersuchung in einer nahegelegenen Spezialklinik ergab, dass Flora an einer schweren Entzündung im Bauchraum litt. Das tierärztliche Team bereitete umgehend eine Operation vor und unternahm alles, um sie zu retten. Leider verstarb Flora unerwartet noch vor dem Eingriff. Die vorläufigen Ergebnisse der Obduktion bestätigten eine schwere Bauchfellentzündung (Peritonitis).
Tiere, die unter ungeeigneten Bedingungen aufwachsen, leiden häufig unter dauerhaften gesundheitlichen Schäden, die erst bei gründlichen Untersuchungen sichtbar werden und äusserlich nicht sofort erkennbar sind. Als wir Flora in Argentinien kennenlernten, wurde sie unmittelbar als dringender Notfall eingestuft.
Sie hatte offene Wunden sowie eingewachsene Krallen, die ihr erhebliche Schmerzen bereiteten und es ihr unmöglich machten, richtig zu stehen oder zu laufen. Die tierärztliche Untersuchung zeigte zudem einen schlechten Zahnzustand. Es war klar, dass die kleinste Tigerin im ehemaligen Zoo eine spezialisierte medizinische Betreuung, umfassende Untersuchungen und detaillierte Diagnostik benötigte. FELIDA war dafür der bestgeeignete Ort, da hier ein erfahrenes Expertenteam vor Ort eine individuell angepasste Versorgung gewährleisten konnte.
Es schmerzt uns zutiefst, dass Flora nicht die Chance hatte, sich von den Jahren der Vernachlässigung zu erholen und in unserer Obhut aufzublühen – wie es so viele unserer geretteten Tiere tun. Von Anfang an hatte diese sensible Tigerin einen besonderen Platz in unseren Herzen. Ihr dabei zuzusehen, wie sie immer wieder ihre Ängste überwand, ihrer Neugier folgte und ihre Umgebung erkundete, war zutiefst berührend.
Dieser Verlust ist sehr schmerzhaft. Flora wird für immer in unseren Herzen bleiben.



