Lamm

100 Textilmarken gegen «Mulesing»

VIER PFOTEN fordert von Modeindustrie, tierleidfreie Wolle zu verarbeiten 

4.6.2020

Zürich, 4. Juni 2020 – Die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hat eine Liste von hundert internationalen Textilmarken veröffentlicht, die sich gegen «Mulesing» bei Lämmern aussprechen. Beim Mulesing werden den Lämmchen mit einer Metallschere Hautstreifen an den Hinterteilen abgeschnitten – meistens ohne Narkose oder Schmerzmittel. Die brutale Verstümmelung, die einzig in Australien, dem weltweit grössten Wollproduzenten, praktiziert wird, soll den Fliegenbefall in den Hautfalten der Schafe verhindern. Nach der Prozedur bleiben schmerzhafte Wunden, die erst nach Wochen verheilen. Fliegen können weiterhin andere Körperregionen befallen. Die Nachfrage nach Wolle ohne Mulesing wächst: Marken wie Patagonia, H&M, Jack Wolfskin und Mammut sprechen sich bereits gegen diese grausame Praxis aus.

Einige der Marken in der VIER PFOTEN-Bewertung haben Mulesing-Wolle bereits aus ihrem Sortiment entfernt, andere haben sich dazu verpflichtet, sie innerhalb der nächsten Jahre auszurangieren. Outdoor-Marken wie Patagonia, Ortovox und Kathmandu sind als Vorreiter bereits gänzlich frei von Mulesing-Wolle. Rückverfolgbarkeits- und Zertifizierungssysteme wie der Responsible Wool Standard (RWS), New Merino und ZQ Merino werden vermehrt von Marken genutzt, um Tierschutzkriterien und Transparenz in ihren Lieferketten zu gewährleisten. Solche Standards verbieten auch das besonders umstrittene Mulesing. Mammut, H&M, Only, Jack & Jones und Vero Moda gehören zu denjenigen, die sich zu einem baldigen hundertprozentigen RWS oder einer vergleichbaren Zertifizierung verpflichtet haben. 

«Wir schätzen, dass VIER PFOTEN die Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenkt. Es ist wichtig, dass unsere Verbraucher wissen, dass wir uns verpflichtet haben, bis spätestens 2023 den zertifizierten Nachweis zu erbringen, dass unsere Wolle zu 100% frei von Mulesing ist. Der Schutz des Tierschutzes bildet ein Kernstück unserer Nachhaltigkeitsbemühungen»

Adrian Huber, Mammut

Es gibt viele weitere Marken, die Mulesing-Wolle ablehnen. Ihre öffentliche Position gegen Mulesing ist eine klare Botschaft und verdeutlicht die wachsende Nachfrage nach Wolle ohne Tierleid. Es ist an der Zeit, dass Modehäuser die Verarbeitung von Mulesing-Wolle einstellen und ihre Lieferketten entsprechend umstellen.

Mulesing - eine brutale und überholte Praxis
Um höhere Erträge an hochwertiger Wolle zu erreichen, züchten australische Bauern seit Jahrzehnten Schafe mit mehr Hautfalten. Dadurch sind die Tiere aber auch anfälliger für Fliegenbefall geworden. Maden nisten sich in den Haut- und Fleischfalten, vor allem am Hinterteil der Schafe, ein und verursachen Wunden, die unentdeckt und unbehandelt zu lähmenden Schmerzen und sogar zum Tod führen können. Mulesing wurde vor über hundert Jahren in Australien als günstige Methode zur Bekämpfung des Fliegenbefalls entwickelt. Die Schafbauern befestigen dabei die zwei bis zehn Wochen alten Lämmchen an einem Metallgestell und schneiden ihnen mit einer scharfen Schere Hautstreifen von ihren Hinterbacken ab. Sobald die Wunde verheilt ist, reduziert das zurückbleibende Narbengewebe die Wollmenge und die Falten in diesem Bereich.

Andere Schafzüchtungen als Alternative ohne Tierleid
Während in anderen Wollproduktionsländern, wie Argentinien, Neuseeland und Südafrika, Mulesing nicht praktiziert wird oder sogar illegal ist, ist es in Australien, wo 90% der feinen Merinowolle für die weltweite Bekleidungsindustrie produziert wird, legal und immer noch üblich.

«Die australischen Wollproduzenten sollen auf glatte Merinoschafe umsteigen, die keine übermässigen Falten durch Überzüchtung haben und widerstandsfähiger gegen Parasiten und Fliegenbefall sind. Die Umstellung auf solch eine Schafzüchtung dauert etwa drei bis fünf Jahre. Der Lebenszyklus der bisher eingesetzten Schafe verändert sich dadurch nicht. Das brutale Mulesing wäre dann Vergangenheit. In der Zwischenzeit unterstützt VIER PFOTEN Marken, die sich dazu verpflichten wollen, ihren Bestand an Mulesing-Wolle auslaufen zu lassen», 

Rebecca Picallo Gil, Verantwortliche der Wollkampagne bei VIER PFOTEN

Mehr als 1‘000 australische Betriebe haben Mulesing bereits abgeschafft und nutzen Alternativen, die Millionen von Schafen Leid ersparen. Die Zahl der Wollproduzenten, die diesem Beispiel folgen, wird mit der wachsenden Nachfrage steigen.

Marken, die sich gegen Mulesing aussprechen

Über VIER PFOTEN
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Dieses Jahr feiert VIER PFOTEN 20-jähriges Jubiläum in der Schweiz. Im Fokus der 1988 von Heli Dungler in Wien gegründeten Organisation stehen Streunerhunde und -katzen sowie Nutz-, Heim- und Wildtiere aus nicht artgemässer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristigen Schutz für leidende Tiere. In der Schweiz ist die Tierschutzstiftung ein Kooperationspartner vom Arosa Bärenland, dem ersten Bärenschutzzentrum, welches geretteten Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein artgemässes Zuhause gibt. www.vier-pfoten.ch

Chantal Häberling

Chantal Häberling

Press Officer

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VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Grosskatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemässer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, im Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in elf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen. In der Schweiz ist die Tierschutzstiftung ein Kooperationspartner vom Arosa Bärenland, dem ersten Bärenschutzzentrum, welches geretteten Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein artgemässes Zuhause gibt.

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