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Neues Hilfsprojekt für notleidende Orang-Utans auf Borneo:

20.7.2017

VIER PFOTEN bringt erstes verwaistes Affen-Baby in Orang-Utan-Waldschule.

Zürich, 20. Juli 2017 – Viele Orang-Utan-Babies auf Borneo erleiden ein schlimmes Schicksal: Ihre Mütter werden von Menschen grausam getötet und sie selber werden schwer traumatisiert als Haustier verkauft. Ein verwaistes Orang-Utan-Baby hat Glück im Unglück: Mitarbeiter der internati-onal tätigen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN und ihrer indonesischen Partnerorganisation Jejak Pulang haben vergangenes Wochenende ein von den indonesischen Behörden beschlag-nahmtes verwaistes Orang-Utan-Baby in ihre Obhut genommen und in die VIER PFOTEN Orang-Utan-Waldschule, die gerade in Ostkalimantan (Borneo) gebaut wird, gebracht.


Der acht Monate alte Orang-Utan-Junge lebte bis zu seiner Beschlagnahmung als Kinder-Ersatz bei einem Ehepaar in einem Dorf in der Nähe von Sepuluh (Ostkalimantan). Laut Angaben des Paares wurde er ne-ben seiner toten Mutter in einer Palmölplantage aufgefunden. Er ist das erste Waisen-Baby, das in die Orang-Utan-Waldschule einziehen darf. Der Kleine wurde von einer VIER PFOTEN Tierärztin gründlich untersucht und wird nun von einem Team von Tierpflegern liebevoll versorgt und aufgepäppelt.

«Er ist noch etwas schüchtern, aber körperlich in gutem Zustand und er ist bereits an den Menschen gewöhnt. Seine seelischen Wunden sind deutlich, musste der kleine Junge in seinem kurzen Leben doch schon so einiges erleiden. Solange man ihn im Arm hält, ist er durchaus bereit, Neues zu erkunden, fehlt jedoch der Körperkontakt, umarmt er entweder sich selbst, oder das Stofftier, welches wir ihm gegeben haben. Daran sieht man, dass er bereits als kleines Baby einen Weg finden musste, sich über Wasser zu halten, weil ihm seine Mutter so früh genommen wurde.»

Dr. Signe Preuschoft, Projektleiterin und Primatologin bei VIER PFOTEN

Neues Orang-Utan-Rehabilitations- und Auswilderungsprojekt in Borneo
Im April 2017 unterzeichnete Jejak Pulang mit dem indonesischen Ministerium für Forstwirtschaft ein Ko-operationsabkommen, um ein neues von VIER PFOTEN finanziertes Orang-Utan-Rehabilitations- und Auswilderungsprojekt ins Leben zu rufen. Derzeit werden bereits drei ältere Orang-Utan-Waisenkinder in der Quarantänestation versorgt. Das Projekt wird von VIER PFOTEN und Jejak Pulang gemeinsam ge-führt. Es umfasst die Rettung illegal gefangener Orang-Utans und die Rehabilitierung von Orang-Utan-Waisen mit dem Ziel einer Wiederauswilderung in einem sicheren Waldgebiet in Ostkalimantan.

 

Obwohl die neue Waldschule erst im Herbst offiziell eröffnet wird, darf das kleine Orang-Utan-Baby jetzt schon in die Quarantänestation einziehen – ermöglicht wurde das durch die gute Zusammenarbeit mit den indonesischen Behörden.

 

Nur noch etwa 50.000 Orang-Utans leben auf Borneo

Der drastisch voranschreitenden Regenwaldzerstörung fallen jährlich zwei- bis dreitausend der rothaarigen Menschenaffen zum Opfer. Ihr Lebensraum muss mehr und mehr wirtschaftlicher Nutzfläche für Plantagen und Kohletagbau weichen. So kommt es immer öfter zu Konflikten zwischen Mensch und Orang-Utan. Gerät ein Orang-Utan bei der Futtersuche auf eine Plantage, wird er oft getötet. Handelt es sich dabei um eine Orang-Utan-Mutter mit Baby, wird die Mutter getötet, ihr Baby wird als Haustier verkauft.

 

Mittlerweile ist die Waldzerstörung auf Borneo so weit vorangeschritten, dass die Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN) Anfang 2016 den Borneo Orang-Utan offiziell als kritisch gefährdet klassifizierte. Aktuelle Studien belegen, dass die Borneo Orang-Utan Population bereits um 80 Prozent zurückgegangen ist, und dass der Orang-Utan in weniger als drei Orang-Utan-Generationen praktisch ausgerottet sein wird.