Neue Recherche: «Bier-Bären» und «Selfie-Bären» in Albanien:

VIER PFOTEN fordert Ende der grausamen Bären-Haltung

17.8.2016

Zürich/Tirana, 17. August 2016 – In Albanien leiden nach Recherchen von VIER PFOTEN bis zu 50 Braunbären unter extrem schlechten Haltungsbedingungen. Viele der Bären stammen aus der Wildnis und wurden von Wilderern brutal der getöteten Mutter entrissen. Sie vegetieren unterernährt und verwahrlost in engen Käfigen oder angekettet neben Restaurants, Tankstellen oder Hotels, um Kunden und Touristen anzulocken. Manche von ihnen, so genannte «Selfie-Bären», werden im Sommer an Stränden und Strassen als Fotomotiv zur Schau gestellt. Obwohl Braunbären in freier Wildbahn nach albanischem Gesetz und aufgrund internationaler Vereinbarungen geschützt sind, floriert in Albanien der illegale Handel mit Bären seit Jahren.
 
Die internationale Tierschutzorganisation unterstützt die albanische Regierung dabei, die bestehende Gesetzgebung zum Schutz von Wildbären und Bären in Gefangenschaft zu verbessern und deren strengere Durchsetzung zu gewährleisten. Auf www.savethesaddestbears.com hat die Stiftung einen entsprechenden Online-Protest gestartet.

«Viele albanische Bären leben elendig und völlig vernachlässigt auf blossem Betonboden in engen, finsteren Käfigen, die nur einige wenige Quadratmeter umfassen. Sie haben keinen Platz und keine Möglichkeit, sich zu bewegen, zu rennen oder zu klettern. Die meisten leiden unter massiven Verhaltensstörungen und haben offene Wunden. Manche stehen sogar kurz vor dem Hungertod.»
 

Denise Schmidt, Kampagnenleiterin von VIER PFOTEN Deutschland

«Bier-Bären» und «Selfie-Bären»
Ein trauriges Beispiel für die katastrophale Haltung der Bären in Albanien ist «Bier-Bär» Tomi. Er wird in einem winzigen, feuchten und schmutzigen Betonkäfig neben den Toiletten eines Restaurants gehalten. Tomi zeigt starke Verhaltensstörungen, läuft ununterbrochen in seinem engen Käfig auf und ab und beisst sich selbst. In diesem Käfig kann der Bär nicht einmal grundlegende natürliche Verhaltensweisen ausleben. Er kann sich weder richtig bewegen, noch nach Futter suchen, noch graben oder baden. VIER PFOTEN konnte zudem beobachten, wie der Besitzer Tomi Bier anstatt Wasser zu trinken gab.

Ein weiteres trauriges Beispiel ist «Selfie-Bärin» Jeta. In der sengenden Hitze Albaniens führt Jetas Besitzer sie an einer Kette, die an ihrer Nase befestigt ist, über Strände, durch Städte und touristische Hotspots. Jeta und andere «Selfie-Bären» erleiden jedes Mal, wenn ihr Besitzer an der Kette zieht, starke Schmerzen, da ihre Nasen sehr empfindlich sind. «Ab und zu halten Leute an und bezahlen eine kleine Summe Geld, um mit der Bärin ein Selfie machen zu dürfen. Es ist eigentlich völlig absurd, einen solch traurigen Anblick als leichte Unterhaltung anzusehen. Doch manche Leute wissen nicht, dass Bären wie Jeta leiden und brutal gezwungen werden, Menschen zu unterhalten», betont Denise Schmidt. 


Hintergrundinformationen
Der Tourismussektor ist einer der wichtigsten Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung Albaniens. Die Regierung strebt an, Albanien zu einem für Touristen aus westlichen Ländern attraktiven Reiseziel zu entwickeln. «Doch die grausame Haltung und Zurschaustellung von Braunbären neben Restaurants, an Stränden oder kulturellen Orten läuft diesen Plänen zuwider. Berichte schockierter Touristen sind ein klarer Indikator, dass der weit verbreitete brutale Umgang mit Bären den guten Ruf Albaniens als aufstrebendes Urlaubsland gefährdet», so Denise Schmidt.
VIER PFOTEN will die furchtbaren Lebensbedingungen der Braunbären Albaniens verbessern. Die internationale Tierschutzorganisation und das albanische Umweltministerium haben im letzten Frühjahr eine Vereinbarung unterschrieben, gemeinsam an einer nachhaltigen und tierschutzgerechten Lösung für diese Bären zu arbeiten. Um eine nachhaltige Lösung sicherzustellen, bittet VIER PFOTEN seine Unterstützer, das albanische Umweltministerium darin zu bestärken, die geltenden Rechtsvorschriften strenger durchzusetzen, um die wildlebenden Populationen zu schützen und die grausame Bärenhaltung zu beenden, indem sie eine Online-Petition unterschreiben: www.savethesaddestbears.com.
 

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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Grosskatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemässer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, im Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in elf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen. In der Schweiz ist die Tierschutzstiftung ein Kooperationspartner vom Arosa Bärenland, dem ersten Bärenschutzzentrum, welches geretteten Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein artgemässes Zuhause gibt.

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