'Cultivated Meat'

Häufige fragen zu «kultiviertem Fleisch»

Was Sie über die Fleischproduktion wissen sollten, bei der keine Tiere sterben müssen

10.8.2020

«Kultiviertes Fleisch» (auch bekannt als schlachtfreies oder «sauberes Fleisch») ist Fleisch, das nicht im Körper eines Tieres, sondern in einer Zellkultur gezüchtet wird. Mit Hilfe dieser bahnbrechenden Technologie ist man in der Lage, ein Fleischprodukt herzustellen, ohne ein Tier schlachten zu müssen.

Was ist «kultiviertes Fleisch»?

«Kultiviertes Fleisch» (auch bekannt als Kunst- / schlachtfreies / zellbasiertes / In-vitro-Fleisch oder Clean Meat)  ist Fleisch, das in einer Zellkultur und nicht im Körper eines Tieres wächst. Mit dieser bahnbrechenden Technologie ist es gelungen, ein Fleischprodukt ohne Tierschlachtung herzustellen. 

Was ist der Unterschied zwischen zellbasiertem, im Labor gewachsenen, Kunst-Fleisch oder Clean Meat?

Das Kind hat viele Namen, aber sie meinen alle dasselbe. Der Begriff «kultiviertes Fleisch» ist jedoch am neutralsten, beschreibt den Prozess der Herstellung am besten und macht es daher attraktiver für den Verbraucher. Laut Barb Stuckey, Präsidentin und Chief Innovation Officer von Mattson, funktioniert der Begriff «kultiviert» wirklich. In einem Kultivator werden die Zellen gezüchtet; Kultivierung ist der Prozess, bei dem die Zellen vermehrt werden; und kultiviert kann das Endprodukt beschreiben: Fleisch, Geflügel, Fisch oder Meeresfrüchte.

Quelle: *www.gfi.org/cultivatedmeat

Wie funktioniert die Herstellung?

Im Rahmen der Entwicklung von «kultiviertem Fleisch» gibt es verschiedene Produktionsmethoden, die von weltweit führenden Start-ups eingesetzt werden. Um ein Steak oder einen Hamburger-Patty herzustellen, wird in der Regel eine kleine Probe von Stammzellen des lebenden Tieres - meist aus magerem Muskel - in einem harmlosen Verfahren entnommen, ähnlich wie bei der Blutentnahme. Diese Zellen werden dann in einer Kultur ausserhalb des Tieres reproduziert. Nachdem genügend Zellen gewachsen sind, werden sie in Gruppen zu kleinem Muskelgewebe zusammengesetzt. Das Ergebnis ist ein Produkt aus 100 Prozent echtem Fleisch.

Innovative Verfahren entwickeln sich jedoch schnell, so dass es neue Wege gibt, Fleisch herzustellen, ohne eine Biopsie an einem lebenden Tier durchführen zu müssen. So arbeiten einige Start-ups beispielsweise daran, Hühnerfleisch aus nur einer einzigen Feder zu entwickeln. 

Welche Vorteile haben Tiere davon? 

Um «kultiviertes Fleisch» zu produzieren, muss kein Tier geschlachtet werden, aber wir sind uns des Wohlergehens der übrigen Tiere insgesamt noch nicht bewusst. Sobald «kultiviertes Fleisch» auf dem Markt ist, könnte es das Potenzial haben, herkömmliche tierische Fleischprodukte zu ersetzen, die aus Massentierhaltung stammen. So könnte langfristig die Zahl der Nutztiere deutlich reduziert werden, was sowohl für die Tiere selbst als auch für Umwelt und Klima von Vorteil wäre.

Ist «kultiviertes Fleisch» gentechnisch behandelt? 

Nach Angaben europäischer Hersteller und Wissenschaftler ist «kultiviertes Fleisch» nicht gentechnisch verändert. Es kann aus den gleichen unveränderten Zellen wie herkömmliches Fleisch bestehen: Zellen aus Muskel-, Fett- und Bindegewebe.*

In anderen Ländern ausserhalb der EU, in denen die genetische Veränderung eine zulässige Methode ist, sagen Unternehmen, dass Gentechnik die Forschung zu «kultiviertem Fleisch» und/oder dessen Herstellung voranbringen könnte. Es ist jedoch noch mehr Forschungsarbeit erforderlich, um festzustellen, in welcher Weise genetische Veränderung vorteilhaft sein und welche Auswirkungen sie haben könnten.**

Quelle: 
*www.new-harvest.org/is_cultured_meat_genetically_modified
**Mosa Meat (2017) | Frequently asked Questions and FAQs_Mosa+Meat 

Müssen Tiere in irgendeiner Art und Weise bei der Herstellung von «kultiviertem Fleisch» leiden? 

Derzeit liegen noch nicht ausreichend Informationen darüber vor, wie Tiere ausgewählt und für die Gewinnung ihrer Stammzellen genutzt werden und wie oder wo sie gehalten werden. 

Um sicherzustellen, dass die Zellen nach ihrer Entnahme wachsen, muss ihnen ein Wachstumsserum zugesetzt werden. Zu Beginn der Produktion von «kultiviertem Fleisch» war die Zugabe von fötalem Kälberserum, auch bekannt als fötales Rinderserum, üblich.  

Dieses Serum wird von Kälberföten gewonnen, die nach der Schlachtung einer schwangeren Kuh aus der Gebärmutter herausgeschnitten werden. Um das Serum zu erhalten, wird dem lebenden Kalb eine Nadel zwischen die Rippen durch Haut und Muskeln direkt ins schlagende Herz eingeführt. Das Blut wird abgesaugt, bis das Tier blutleer ist und stirbt. Noch lebend deshalb, da durch das schlagende Herz eine grössere Menge an Blut gewonnen werden kann und es nicht gerinnt.** Aus der Tierschutzsicht ist dies eine grausame Methode, die nicht mit Tierschutznormen übereinstimmt und daher von Tierschutzorganisationen nicht unterstützt werden kann. 

Neue Entwicklungen im Prozess machen den Einsatz von tierischem Serum (fötalem Rindererum) für die Herstellung von «kultiviertem Fleisch» jedoch unnötig, da es durch pflanzliche oder synthetische Alternativen ersetzt werden kann.*

Quelle: *https://www.mosameat.com/blog/2019/11/15/mosa-meat-on-netflixs-explained

Kann man es gefahrlos essen?

«Kultiviertes Fleisch» wird in einem Verfahren hergestellt, das dem Brauen von Bier, der Wirkung von Hefe bei der Brotherstellung und anderen Lebensmitteln aus grossen Zellkulturen ähnelt. Durch die Herstellungsmethode ist es auch möglich, zusätzliche Komponenten wie Geschmacksträger oder Vitamine hinzuzufügen. 

Da es in einer sauberen Umgebung hergestellt wird und strenge Sicherheitsvorschriften erfüllen muss, bevor es auf den Markt kommt, ist es sicher für den menschlichen Verzehr. Auch aus diesem Grund ist der Begriff Labor-Fleisch weder zu bevorzugen noch korrekt, da zellulare Landwirtschaft im Produktionsmassstab nicht im Labor stattfinden wird.

Werden für die Produktion irgendwelche Antibiotika verwendet? 

Bei der Produktion von «kultiviertem Fleisch» ist der Einsatz von Antibiotika nicht notwendig.

Wann ist mit der Markteinführung zu rechnen?

Es gibt verschiedene Zeitangaben der produzierenden Unternehmen. Das Unternehmen «Mosa Meat», das an Rindfleisch arbeitet, plant, bis 2021 die ersten Burger aus «kultiviertem Fleisch» in High-End-Restaurants anzubieten. Andere, wie das amerikanische Start-up-Unternehmen JUST, erwarten, dass sie ihr Hühnerprodukt innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre auf den Markt bringen. Es ist das Ziel, dass die Preise im Vergleich zu herkömmlichen Fleischprodukten wettbewerbsfähig sind, wenn sie in grösserem Umfang eingeführt werden. 

Was sind die ökologischen Vorteile von «kultiviertem Fleisch» ? 

Der Konsum von Fleisch und anderen tierbasierten Produkten nimmt vor allem in den Entwicklungsländern rasant zu. Neueren Studien zufolge wird sich der Bedarf an Fleisch bis 2050 verdoppeln. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Tiere durch diese Industrie enormem Leid ausgesetzt sind. Die steigende Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten wirkt sich auch nachteilig auf Umwelt und Klima aus. Weltweit stammen 14.5% der gesamten vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen aus der Tierproduktion. Vor allem die Rindfleisch- und Milchindustrie spielt aufgrund der hohen Nachfrage nach Futtermitteln sowie der Freisetzung von Methan, dem Hauptverursacher des Klimawandels, eine grosse Rolle. Und sogar 70% der Ackerfläche werden für die Viehzucht genutzt. Für die Herstellung von 1 kg Rindfleisch benötigt werden 15'000 Liter Wasser benötigt.

Wie vorläufige Lebenszyklusanalysen ergeben haben, könnte «kultiviertes Fleisch» zu einer erheblichen Einsparung des Land- und Wasserverbrauchs von bis zu 90% führen. Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch können reduziert werden, wenn konventionelles Fleisch durch «kultiviertes Fleisch» ersetzt wird. Dies ist jedoch abhängig von der Fleischart selbst und der Verbrauchsmenge pro Land. Was die Treibhausgase betrifft, so reduziert «kultiviertes Fleisch» den Methanausstoss, da nur wenige Kühe für die Gewinnung des Muskelgewebes benötigt werden. Die gleichen Effekte können auch auf andere Fleischprodukte wie Hühner- oder Schweinefleisch übertragen werden.

Welche Unternehmen arbeiten daran?

In verschiedenen Teilen der Welt, vor allem in den Niederlanden, den USA und Israel, gibt es einige Start-ups, die an der Entwicklung von «kultiviertem Fleisch» arbeiten. Um einige von ihnen zu nennen: Memphis Meat (USA), Hampton Creek (USA), New Harvest (USA), Modern Meadow (USA), Mosa Meat (NL), Meatable (NL), SuperMeat (ISR), Aleph Farms (ISR), Future Meat Technologies (ISR), Meat the Future (ISR), Integriculture Inc (Jap), Innocent Meat (GER) und viele mehr.

Unterstützt VIER PFOTEN die Entwicklung von «kultiviertem Fleisch»? 

Als Tierschutzorganisation schätzt und unterstützt VIER PFOTEN jeden wissenschaftlichen Fortschritt, der darauf abzielt, das Leiden der sogenannten Nutztiere in Intensivhaltungssystemen zu verringern oder zu beseitigen und die Zahl der geschlachteten Tiere langfristig drastisch zu reduzieren. «Kultiviertes Fleisch» hat das Potenzial, der Massentierhaltung Konkurrenz zu machen und möglicherweise die Lebensmittelindustrie zu revolutionieren. Da sich «kultiviertes Fleisch» jedoch noch in der Entwicklungsphase befindet, beobachtet VIER PFOTEN die (Markt-) Entwicklungen und den gesamten Prozess genau, da die zukünftigen Folgen für die sogenannten Nutztiere noch nicht absehbar sind. 

Warum konzentriert sich VIER PFOTEN nicht nur auf pflanzenbasierte Alternativen als die tierfreundlichste Lösung? 

VIER PFOTEN ist Verfechter eines tierfreundlichen Lebensstils und fördert die Reduzierung von tierischen Produkten und die Entscheidung für eine mehr pflanzliche Ernährung. Mehr zu unserem 3R-Prinzip können Sie hier lesen.

Betrachtet man den gesamten, kontinuierlich steigenden Fleischkonsum, so ist Fleisch eines der beliebtesten Lebensmittel weltweit. Es ist daher unwahrscheinlich, dass jeder auf eine pflanzenbasierter Ernährung umsteigen wird. Da «kultiviertes Fleisch» echtes Fleisch ist, könnte es ein Weg sein, die Grausamkeiten gegen sogenannte Nutztiere zu minimieren und das Ende der intensiven Landwirtschaft und der Massentierhaltung zu beschleunigen. Denn Fleisch kann in grossen Mengen geliefert werden, ohne dass Milliarden von Tieren dafür gezüchtet, aufgezogen, gehalten und geschlachtet werden müssen, wie es heute der Fall ist. 

Wird «kultiviertes Fleisch» auch für Heimtiernahrung getestet? 

Ja. Der kanadische Tiernahrungshersteller Because Animals wird ab 2021 erstmals eine begrenzte Menge Katzenleckerlis aus kultiviertem Fleisch herausbringen.* Weitere Informationen finden Sie auf www.gfi.org.

Quelle: *www.becauseanimals.com/pages/culturedmeat

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