Schafe für die Wollproduktion

Schafhaltung

Schafe werden nicht nur wegen ihrer Wolle, sondern auch für die Herstellung von Milch- und Fleischprodukten gehalten

18.3.2022

Wie bei den meisten tierischen Produkten sind auch die Wollproduktion und die Schafhaltung mit erheblichen Tierschutzproblemen verbunden. Die meisten Schafe leben in extensiven Produktionssystemen im Freien. Es gibt jedoch auch intensive Haltungssysteme, bei denen die Tiere ständig in Ställen gehalten werden, was zu verschiedenen Tierschutzproblemen führt. Verstümmelungen, die in der Schafhaltung praktiziert werden (z. B. Schwanzkupieren, Kastration, Mulesing), sind nicht immer notwendig und oft sehr grausam. Schafe werden manchmal über grosse Entfernungen transportiert, um in anderen Ländern mit schwächeren (weniger tierfreundlichen) Rechtsvorschriften geschlachtet zu werden. Die Schlachtung von Schafen ohne angemessene Betäubungsmethoden ist ebenfalls bedenklich.

Verstümmelungen

Wie andere Nutztiere werden auch Schafe einer Reihe von schmerzhaften Verstümmelungen unterzogen, die das Tier an das Haltungssystem anpassen und nicht umgekehrt. Neben dem Mulesing in Australien gibt es das Schwanzkupieren, bei dem die Schwanzspitze (oder der ganze Schwanz) entfernt wird - ohne Betäubung oder mit Schmerzlinderung danach. Obwohl es eine einfache Lösung gibt - die Zucht von Schafen mit kurzen Schwänzen. Männliche Schafe werden ebenfalls ohne Betäubung schmerzhaft kastriert, und weibliche Schafe werden manchmal laparoskopisch künstlich befruchtet, was für das Tier sehr schmerzhaft ist.

Mulesing

Langstreckentransport von Schafen

Schafe werden oft über weite Strecken transportiert, um in anderen Ländern mit schwächeren und weniger tierfreundlichen Rechtsvorschriften geschlachtet zu werden. Insbesondere werden die Tiere in der Regel mehrere Tage und Wochen lang unter katastrophalen Bedingungen transportiert. Zahlreiche Tiere erleiden schwere Verletzungen, und nicht selten sterben die sie während der Transporte einen qualvollen Tod.

Im November 2019 kenterte ein mit 14'000 Schafen beladenes Schiff auf dem Weg von Rumänien nach Saudi-Arabien und liess die Schafe verenden. VIER PFOTEN und seine rumänische Partnerorganisation ARCA konnten 254 Tiere retten, von denen 180 überlebten. Diese Schafe sind die Glücklichen und eine ständige Erinnerung an die Millionen von Nutztieren, die weiter leiden, solange es Lebendtransporte gibt. Lesen Sie hier mehr über diesen Einsatz.

Schafstranport

Trennung von Lämmern von ihren Müttern

Schafe, die auch für die Milchgewinnung gehalten werden, werden kurz nach der Geburt von ihren Jungen getrennt - so wie Milchkühe und ihre Kälber getrennt werden. Dies führt zu schwerwiegenden Problemen für das Wohlergehen der Tiere und sollte nicht zugelassen werden. Die muttergebundene Aufzucht in der Milchindustrie sollte zum Standard für alle Tiere werden.

Wenn ein Schaf und sein Lamm gleich nach der Geburt getrennt werden, wird keine Mutter-Kind-Bindung aufgebaut. Wenn sie eine gewisse Zeit zusammenbleiben dürfen, aber dennoch zu früh abgesetzt werden, kann dies ebenfalls zu ernsthaften tierschutzrelevanten Reaktionen führen. Durch den fehlenden Mutter-Kind-Kontakt kann es zu Verhaltensstörungen mit Anzeichen extremen psychischen Leidens kommen, die zu körperlichen Beeinträchtigungen, z.B. starkem Gewichtsverlust (Abmagerung), führen können.

Daher müssen alle Lämmer über einen Zeitraum von mindestens 45 Tagen (90 Tage bei Fleischlämmern) mindestens zweimal täglich die Möglichkeit haben, einen natürlichen Säugeprozess zu durchlaufen und anschliessend mit der Mutter sozial interagieren können. Zumindest in den ersten sieben Lebenstagen müssen Mutter und Lamm zusammenbleiben, und wenn sie danach getrennt werden, müssen Mutter und Lamm bis zur Entwöhnung, die schrittweise über einen Zeitraum von mindestens einer Woche erfolgen sollte, Sicht- und Körperkontakt haben können. Ab dem 8. Lebenstag müssen die Lämmer ausserdem in Gruppen gehalten werden - eine Einzelhaltung von Tieren ist nicht zulässig.

VIER PFOTEN fordert ...

Das Ende der grausamen Praktiken

Sie lösen Angst, Schmerz und Qualen aus und schwächen so das Immunsystem, verändern die Gehirnfunktion und das natürliche Verhalten der Tiere.

  • Mulesing: Mulesing-freie Wolle sollte weltweit zum Standard werden, da sie leicht durch weniger grausame Alternativen ersetzt werden kann.
  • Verbot von schmerzhaften Verstümmelungen.
  • Verbot der Trennung von Lämmern von ihren Müttern.
  • Höhere Standards für den Transport: Es sind verschiedene Missstände bekannt, wie z. B. Austrocknung aufgrund mangelnder Wasserversorgung, Krankheiten und Verletzungen der Tiere aufgrund grober Behandlung. Langstreckentransporte (mehr als 8 Stunden) sollten daher nicht erlaubt sein, vor allem nicht für Tiere, die noch nicht entwöhnt sind. 
  • Höchste Vorschriften für die Schlachtung in allen Ländern der Welt: Schafe werden oft in Länder transportiert, die eine schwächere und weniger tierfreundliche Gesetzgebung haben.

Befriedigung der Grundbedürfnisse

Wenn diese vernachlässigt werden leiden die Schafe an akuten Schmerzen, Ängsten und einem langfristig negativen Wohlbefinden. Grundbedürfnisse von Schafen sind:

  • Schafe sind eine soziale Spezies und müssen in stabilen Gruppen gehalten werden - es sollte keine Einzelhaltung erlaubt sein, wobei Lämmer Zugang zu ihren Müttern haben und männliche Schafe in einer anderen Gruppe getrennt werden sollten, sobald sie ausgewachsen sind (3 Monate).
  • Eine Ernährung mit hochwertigem Weidefutter ist nicht nur für die Erhaltung der körperlichen Gesundheit der Tiere wichtig, sondern gibt ihnen auch die Möglichkeit, ihr natürliches Verhalten, das Stöbern nach Nahrung, auszuleben.
  • Die Tiere sollten in trockenen Aussenklimaställen (Offenfront-Tiefstreuställe) mit einem ständig zugänglichen, befestigten und trittsicheren Auslauf gehalten werden; bei Aussenhaltung muss ein Unterstand vorhanden sein, der Schutz vor extremen Witterungsbedingungen bietet und in dem Wasser und Futter leicht zugänglich sind.
  • Regelmässiges, aber tiergerechtes Scheren der Wolle, da die Tiere ihr Fell nicht auf natürliche Weise verlieren. Daher ist der Aufbau einer guten Mensch-Tier-Beziehung entscheidend für das Wohlbefinden der Tiere, da der Scherprozess sonst Angst und Stress auslöst.
  • Die Tiere sollten bei guter Gesundheit gehalten werden, gegen Parasiten behandelt und bei Bedarf tierärztlich versorgt werden, wobei die Füsse regelmässig untersucht werden sollten, da sie anfällig für Fussfäule sind.
Lamm und Mutterschaf in der Scheune

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