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VIER PFOTEN nimmt öffentliche Beschaffung tierischer Produkte unter die Lupe

22.5.2018

Ein Report von VIER PFOTEN über fehlende Tierschutzkriterien in öffentlichen Einrichtungen und mangelnde Transparenz

Zürich, 22. Mai 2018 – Unsere Ernährungsgewohnheiten beeinflussen in hohem Masse das Leben von Nutztieren. Wer bewusst einkauft und darauf achtet, welche Lebensmittel auf den Tisch kommen, kann einen Beitrag zu weniger Tierleid in der Landwirtschaft leisten. Dies gilt nicht nur für Privathaushalte, sondern auch für Bund, Kantone und Gemeinden. Im Jahr 2016 wurden in der Schweiz Lebensmittel für rund 21.84 Millionen Franken für öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Universitäten, Spitäler und Altersheime erworben. Durch ihre hohe Kaufkraft tragen diese Institutionen bei der Beschaffung von Lebensmitteln eine grosse Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt. Eine Verantwortung, der viele derzeit nicht gerecht werden.

Ein neuer Reportvon VIER PFOTEN zeigt die Missstände in der Tierhaltung, Intransparenz bei Beschaffungsvorgängen und fehlende, verbindliche Tierwohl-Vorgaben auf. Die Vorgehensweisen widersprechen klar dem öffentlichen Interesse. Denn laut einer von VIER PFOTEN in Auftrag gegebenen repräsentativen Befragung der Schweizer Bevölkerung vom April 2018 wünschen sich 81 Prozent der Befragten, dass sich die Schweizer Regierung vermehrt für Tierschutz einsetzt. Zudem sehen 82 Prozent dringend Handlungsbedarf für verbesserte Bedingungen in der Massentierhaltung. Deshalb plädiert VIER PFOTEN – im Sinne der Konsumenten und Tiere – für konkrete Tierschutzkriterien bei der öffentlichen Beschaffung. Derzeit bestehen hier keine verbindlichen gesetzlichen Grundlagen. In Bezug auf Nachhaltigkeit und Regionalität wurden bereits eine Vielzahl an Initiativen und Projekten initiiert, jedoch geht Nachhaltigkeit nicht automatisch mit Tierschutz einher.

Tierwohlstandards für importierte und einheimische tierische Lebensmittel

Ohne Zweifel leiden viele landwirtschaftlich genutzte Tiere unter den gängigen Haltungssystemen. Dies betrifft sowohl Fleisch, Milch und Eier aus einheimischer Produktion als auch Importware.

«Die Tierschutzstandards sind von Land zu Land unterschiedlich. Deshalb ist es notwendig, dass Beschaffer eine Reihe von Kernforderungen beim Einkauf von tierischen Produkten einhalten.»

Lucia Oeschger, Kampagnenleiterin von VIER PFOTEN Schweiz

Konkret sollen folgende Kernforderungen, geltend für alle Tierarten, an die Haltungssysteme inkludiert werden: Förderung des natürlichen Verhaltens, Vermeiden von Schmerzen, ausreichend Platz, Auslauf und Tageslicht, Abkehr von Hochleistungsrassen sowie strengere Auflagen für Transport und Schlachtung. Darüber hinaus fordert VIER PFOTEN, dass Kantinen öffentlicher Einrichtungen langfristig das Angebot von Fleischprodukten halbieren, tierische Produkte ausschliesslich von artgemässen Tierhaltungssystemen beziehen und das Angebot von rein pflanzlichen Gerichten ausbauen.

Ziel: Tierwohl aus Ausschreibungskriterium

Die öffentliche Beschaffung muss das öffentliche Interesse an der «Würde der Kreatur» wie in der Bundesverfassung festgeschrieben auch umsetzen: Öffentliche Stellen haben somit eine besondere Verantwortung für das Tierwohl und die Gesundheit in öffentlichen Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen.»

Lucia Oeschger

Der vorliegende Report und die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass dringend Handlungsbedarf herrscht. VIER PFOTEN wird sich daher in den kommenden Monaten dem komplexen Thema annehmen, Dialoge mit Entscheidungsträgern führen und Aktionen initiieren, um das Tierwohl in der öffentlichen Beschaffung zu verankern. Mit der Veröffentlichung des Reports wird gleichzeitig eine neue Umfrage lanciert, um zu eruieren, welche Veränderungen sich die Schweizer Bevölkerung hinsichtlich der aktuellen Tierwohlsituation in öffentlichen Einrichtungen wünscht. VIER PFOTEN wird über die Resultate berichten.