Orang-Utan-Waise frisst Waldnahrung

Was essen Orang-Utans am liebsten?

Unsere Orang-Utan-Waisen lernen wie sie das beste und schmackhafteste Essen im Wald von Borneo finden

10.8.2021

Mit rund 15'000 Pflanzenarten auf Borneo kann das Nahrungsangebot des Waldes für einen kleinen Orang-Utan überwältigend sein. 4'000 dieser Pflanzen stehen auf dem Speiseplan der Borneo-Orang-Utans. Daher ist es wichtig, dass die Waisen lernen, welche Pflanzen geniessbar und welche gefährlich sind! Unsere Betreuer zeigen den Waisen, was geniessbar ist und wie es verzehrt werden kann. Hier sind einige der beliebtesten Speisen der Orang-Utans!

Früchte der Gattung Artocarpus

Haben Sie schon einmal von der tropischen Jackfrucht gehört? Die Jackfrucht gehört zur Gattung der Artocarpus-Bäume und ist eine sehr grosse Frucht, die, wenn man sie öffnet, im Inneren ein klebriges Fach mit einem köstlichen Fleisch um die Kerne herum aufweist! Die wilden Früchte dieser Gattung, die die Orang-Utans im Wald finden, sind sehr unterschiedlich. Einige von ihnen ähneln eher der vom Menschen verzehrten Jackfrucht, andere haben ein saftiges weisses oder rotes Fruchtfleisch im Inneren, und der Geschmack ist im Allgemeinen saurer als der der domestizierten Jackfrucht. 

Die Früchte des Artocarpus-Baums reifen in der Obstsaison von Dezember bis April, und Orang-Utans können stundenlang davon essen und sich die Bäuche vollschlagen. Nach einem entspannenden Verdauungsschläfchen können sie sofort wieder weiteressen. Oh, was für ein Leben!

Orang-Utan und Artocarpus

Calamus-Pflanzen, im Volksmund aber eher als Rattan bekannt

Die als Kletterpflanze getarnte Palme ist das ganze Jahr über im Wald Borneos zu finden. Nicht nur die Palme selbst ist teilweise essbar, sondern auch ihre kleinen Früchte, die der «Schlangenfrucht» ähneln und recht süss sind. Orang-Utans essen allerdings nicht nur die reifen, sondern auch die unreifen Früchte, die für unseren Geschmack sehr bitter sind. 

Die Früchte selbst schmücken die Palme nur eine kurze Zeit. Während des restlichen Jahres ist das Mark der Rattanpalme für die Orang-Utans eine ständige und sehr begehrte Nahrungsquelle. Aber es ist gar nicht so einfach, an das Mark heranzukommen, denn dazu müssen die Orang-Utans den Zweig vom Stamm abspalten. Jede Rattanliane ist durch Schichten von mörderischen Stacheln und Dornen hervorragend geschützt, weshalb die Waisen lernen müssen sie mit den Fingerspitzen und den Zähnen zu berühren, und die Lianen in die richtige Richtung zu ziehen, was auch einiges an Kraft erfordert. Junge Orang-Utans können das noch nicht. Die Pflegerinnen und Pfleger helfen ihnen dann, damit die Kleinen lernen, dass sich der köstliche Teil im Inneren der stacheligen Hülle befindet.

Calamus (Rattan)

Borassodendron Bornensis, eine Palmenart

Bei starkem Regen bieten die grossen runden Blätter den Orang-Utans einen hervorragenden Schutz. Aber dieser Baum ist auch eine nahrhafte und schmackhafte Nahrungsquelle. Die Frucht ähnelt der einer kleinen Kokosnuss, und je nach Reifegrad können die Orang-Utans die Früchte auf unterschiedliche Weise geniessen. Wenn die Frucht zum Beispiel noch nicht reif ist, müssen die Orang-Utans stark sein, um die harte Schale zu öffnen und an das weiche Fruchtfleisch zu gelangen, das dem jungen Kokosnussfleisch ähnelt. Die jungen Orang-Utans bitten oft ihre Pfleger um Hilfe, um die Frucht mit ihren Macheten zu öffnen, aber wenn die Orang-Utans an Kraft gewinnen, können sie es mit ihren starken Kiefern selbst tun. Wenn die Frucht reif ist, färbt sich die Schale gelb und kann abgebissen und gekaut werden, um an das Fruchtfleisch zu gelangen. Manchmal verbringen die Orang-Utans sehr viel Zeit damit, nur eine dieser köstlichen Früchte zu essen. Zeitweise sind sie sogar zu ungeduldig und essen schon die Blüten!

Borassodendron Bornensis

Kambium, eine Gewebeschicht im Baumstamm

Dieser Teil des Baumes befindet sich zwischen dem Holz und der Rinde und besteht aus Zellen, die noch nicht ausgereift, aber voller Nährstoffe sind. Das Kambium ist eine wichtige Ausweichnahrung für Orang-Utans, wenn das Angebot an Früchten gering ist. Normalerweise wählen die Orang-Utans Baumarten, die ein dickeres Kambium haben und mehr Wasser enthalten. Wenn die Orang-Utans jung sind, lernen sie jedoch von ihren Pflegemüttern, welche Bäume die beste Rinde zum Aufbeissen und Abschälen haben. Dann schaben sie mit ihren unteren Schneidezähnen die weiche Schicht des Kambiums ab und kauen es gründlich, um an den nahrhaften Teil zu gelangen.

Kambium des Baumes

Durio Lanceolatus, auch bekannt als Durian

Wilde Durians sind wahrscheinlich die Lieblingsfrüchte der Orang-Utans! Ihr Verzehr ist köstlich, aber für die Orang-Utans nicht ganz unproblematisch - schliesslich bedeutet «durio» auf Indonesisch «Dorn». Manchmal füllen die Orang-Utans ihre Hände mit Blättern, damit sie die stachelige Schale aufreissen können - somit verwenden sie ein Werkzeug! 

Die Frucht ist äusserst übelriechend, aber sehr lecker und enthält viele Vitamine, Kalorien und Nährstoffe. Die Orang-Utans essen das Fruchtfleisch um die Samen herum, aber nicht die Samen selbst, die sie wieder ausspucken. Sie pflanzen also ihre Lieblingsfrucht, indem sie die Samen im Wald verbreiten - dadurch werden Orang-Utans zu Samenverbreitern. Allerdings ist die Durian-Saison oft kurz, was die Früchte noch attraktiver macht, und die Orang-Utans lassen keine Gelegenheit aus, sich and Fruchttagen in den Durio-Bäumen aufzuhalten.

Stinkende, aber sehr schmackhafte Durianfrucht

Die klebrigen, süssen Beeren der Macaranga Gingantea

Macaranga Gigantea ist ein Pionierbaum, der an lichten Stellen des Waldes, also wo Sonnenlicht eindringen kann, wächst. Seine riesigen Blätter können als Regenschirme oder zum Auspolstern von Nestern verwendet werden. Die Orang-Utans spielen auch gerne mit ihnen oder benutzen sie als Fächer gegen Moskitos. In den Jahren, in denen die Bäume Früchte tragen, liefern sie für mehrere Monate reichlich Nahrung. Die Orang-Utans fressen diese Früchte, egal ob sie unreif oder reif sind. Wir sind uns nicht ganz sicher, aber wir glauben, dass sie alles fressen, Schale, Fruchtfleisch und Samen. 

Die Frucht ist zinkenförmig, wie eine kleine Beere, und der Samen ist nicht grösser als ein Sesamkorn. Aber die Früchte wachsen in Dolden, dicht beieinander, so dass die Orang-Utans sie essen, wie wir Weintrauben essen. Allerdings ist ihr Saft sehr klebrig, weshalb die Münder der Orang-Utans während der Macaranga-Saison mit Klebstoff überzogen sind. Der klebrige Belag bildet einen dunklen Überzug auf den Mündern der Orang-Utans, so dass sie aussehen, als hätten sie Lippenstift aufgetragen (nur eben schlecht). Verräterisch nennen wir das den Macaranga-Mund. 

Sie nutzen das grosse Blatt der Macaranga Gingantea als Schutz und fressen die Beeren
Orang-Utan

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