
Keine Ferien auf Kosten der Tiere
Obwohl hinter vielen Tourismusattraktionen Tierleid steckt, ist tierfreundliches Reisen möglich
Zürich, 24. September 2026 – Ob Selfies mit Tigern, Elefantenreiten oder Delfinshows: Was als einmaliges Erlebnis angepriesen wird, ist oft mit grossem Tierleid verbunden. Zum Welt-Tourismus-Tag am 27. September und anlässlich der bevorstehenden Herbstferien zeigt die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN auf, wie Reisende tierfreundliche Alternativen erkennen und verantwortungsvoll unterwegs sein können.
Zahlreiche Reisende wünschen sich unvergessliche Erlebnisse. Für Tierliebhaberinnen und -liebhaber gehören Begegnungen mit Tieren oft dazu: ein Foto mit einem exotischen Wildtier, ein Ausritt in beeindruckender Landschaft oder das Gefühl, einem Tier ganz nahe zu sein. Viele wissen jedoch nicht, dass hinter solchen Angeboten häufig grosses Leid steckt. Wildtiere werden für den Tourismus tierquälerisch trainiert, unter Stress gehalten und zu unnatürlichem Verhalten gezwungen. Dennoch gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Tiere auf authentische und tierfreundliche Weise in die Ferienerlebnisse einzubeziehen. Die Tierschutz & Tourismus- Kampagne von VIER PFOTEN zeigt, wie dies gelingt.
Problematische Tiererlebnisse
Besonders heikel sind Angebote, die direkten Kontakt mit Wildtieren versprechen. Dazu gehören Selfie- oder Kuschelangebote mit Wildtieren wie beispielsweise Tigern oder Faultieren, Elefantenreiten oder -baden sowie Spaziergänge mit Löwen. Was wie eine liebevolle Interaktion wirkt, ist nur durch intensive Dressur möglich. Wildtiere sind scheu und nicht dafür gemacht, sich anfassen, tragen oder vorführen zu lassen. Damit sie für solche Angebote funktionieren, basiert das Training oft auf Schmerz, Angst und Dominanz. Teilweise werden Wildtiere für die Angebote sediert oder ihnen werden Zähne und Krallen gezogen, um das Risiko für die Menschen zu verringern. Besuchenden wird dabei oft erzählt, dass solche Attraktionen dem Artenschutz dienen, um ein gutes Gefühl zu vermitteln.
Auch Tiershows wie Zirkusse oder Aufführungen mit Meeressäugern sind beliebte Attraktionen, vor allem bei Familien. Für diese Shows zeigen Wildtiere unnatürlichen Verhaltensweisen, die sie durch brutale Trainingsmethoden erlernen müssen. Die Auftritte bedeuten Stress und körperliche Belastung, während die Tiere abseits der Vorstellungen einen Grossteil ihres Lebens in kleinen Gehegen mit wenig Bewegung und Abwechslung verbringen müssen. Eine artgemässe Haltung ist in einem solchen Betrieb nicht möglich.
Tierschutz und Tourismus lassen sich vereinbaren
Tierfreundlicher Tourismus ist jedoch möglich und bedeutet keineswegs, auf eindrückliche Erlebnisse verzichten zu müssen. Im Gegenteil ermöglicht verantwortungsvoller Tourismus authentischen Begegnungen, die gleichzeitig zum Schutz von Tieren beitragen.
Am beeindruckendsten sind Beobachtungen von Wildtieren in der freien Natur, wenn sie ihre natürlichen Verhaltensweisen zeigen und sich nicht gestört fühlen. Dazu gehören beispielsweise Safaris, Walbeobachtungen, Tauch- und Schnorchelausflüge sowie Wandern durch Nationalparks. Wichtig ist dabei, klare Verhaltensregeln einzuhalten. Die Tiere sollten nicht berührt oder bedrängt werden. Sie dürfen nicht gefüttert werden und sollten nicht länger als nötig beobachtet werden. Wenn ein Ausflug über einen externen Anbieter gebucht wird, sollte man sich im Voraus gut über die Tierwohlrichtlinien informieren und im Zweifel Fragen stellen.
Auch der Besuch in einem Schutzzentrum kann ein bereicherndes Erlebnis sein, sofern das Wohl der Tiere tatsächlich im Vordergrund steht. Seriöse Schutzzentren nehmen gerettete Tiere auf, verzichten auf direkten Kontakt mit Besuchenden und setzen auf Aufklärung statt Unterhaltung. Es werden zudem keine Tiere gezüchtet, und es wird transparent über die Herkunft der Tiere informiert. Leider gibt es auch einige unseriöse Einrichtungen, die sich fälschlicherweise als Schutzzentren ausgeben. Daher ist es wichtig, dass sich Reisende vor einem Besuch gut informieren.
Arosa Bärenland mit Vorbildfunktion
Ein gelungenes Beispiel für tierfreundlichen Tourismus in der Schweiz ist das Arosa Bärenland. Hier finden gerettete Bären aus schlechten Haltungsbedingungen ein neues, artgemässes Zuhause in einer weitläufigen, naturnah gestalteten Umgebung. Besuchende können die Tiere beobachten und gleichzeitig mehr über ihre Geschichte sowie über Tierschutzthemen erfahren. Das Arosa Bärenland zeigt eindrücklich, dass nachhaltige Tiererlebnisse möglich sind und dass verantwortungsvoller Tourismus einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Tieren leisten kann.

Oliver Loga
Press ManagerVIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Altstetterstrasse 124, 8048 Zürich