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Wildtiere sind keine haustiere

Warum Wildtiere in Privathaltung niemals artgemäss leben können

Leider werden exotische Wildtiere nicht nur in Zoos und Tierparks gehalten, sondern auch in privaten Gehegen – und nicht selten sogar in Wohnzimmern. Aus Sicht des Tierschutzes sind Wildtiere (und auch viele beliebte «Haustiere» wie Streifenhörnchen oder Chinchillas) völlig ungeeignet für die Privathaltung.

Wildtiere sind nicht domestiziert

Im Gegensatz zu domestizierten Arten wie Hunden oder Katzen haben sich Wildtiere auch über Jahrhunderte nicht an ein Leben unter menschlicher Obhut angepasst. Das gilt für beispielsweise Papageien oder Leguane genauso wie für Säugetiere.

Viele Wildtierarten haben ganz spezielle Bedürfnisse, denen ein privater Halter niemals gerecht werden kann. Kaum ein Privathalter verfügt über die notwendigen Kenntnisse, um Wildtieren ein artgemässes Leben zu ermöglichen. Die Ansprüche vieler Tiere in Bezug auf Ernährung, Unterbringung, Raumklima oder Sozialstruktur sind sehr komplex. Oft erfordert die Haltung erhebliche finanzielle Mittel. Viele Arten werden sehr alt und können enorme Körpergrössen erreichen. Dieser jahrzehntelangen Verantwortung sind nicht alle Halter gewachsen.

Aufgrund von Haltungsfehlern sind hohe Krankheitsraten kaum zu vermeiden. Viele Krankheiten werden häufig gar nicht oder zu spät erkannt, so dass eine Behandlung oft zu spät erfolgt. Und selbst viele Tierärzte sind mit den neuen Patienten überfordert, so dass eine gute medizinische Versorgung nur schwer zu gewährleisten ist. Die traurige Folge sind kranke, vernachlässigte, ausgesetzte oder sogar getötete Tiere.

Exotenhaltung fördert den Wildtierhandel

Ein weiteres grosses Problem stellt der internationale Handel mit Wildfängen dar. Jeder Laie kann sich im Zoohandel, auf Tierbörsen, in Gartencentern, bei privaten Züchtern oder über das Internet exotische Wildtiere anschaffen. Viele Arten kosten nur ein Taschengeld, was die Gefahr von Spontankäufen erhöht.

Ein grosser Teil der gehandelten Exoten stammt aus der freien Wildbahn. Wildfänge und der Handel mit ihnen stellen eine grosse Bedrohung für die Artenvielfalt dar. Vom Fang über den Transport, den mehrstufigen Zwischenhandel und den Endhändler bis hin zum Endkunden: Auf allen Etappen lassen viele Tiere aufgrund völlig inakzeptabler Fang- und Transportbedingungen ihr Leben. Doch trotzdem steigt die Nachfrage nach exotischen Haustieren – und deren Importe explodieren.

Private Nachzuchten im heimischen Wohnzimmer stellen keinen nennenswerten Beitrag zum Artenschutz dar, nicht zuletzt weil viele Arten gezielt auf immer neue Farbvarianten gezüchtet werden oder Kreuzungen zwischen verschiedenen Unterarten forciert werden. Die negativen Auswirkungen des internationalen Tierhandels auf wildlebende Tiere sind belegt, denn manche Arten wurden an den Rand der Ausrottung gebracht. Die Haltung von Exoten kann aber auch heimische Wildtiere gefährden: Entwichene oder ausgesetzte Tiere schädigen die heimische Natur- und Tierwelt und führen schlimmstenfalls zu einer Verdrängung einheimischer Spezies.

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Wildtiere in Privathand sind gefährlich

Viele exotische Heimtiere stellen ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Giftige Arten, grosse Würgeschlangen, Schnappschildkröten, Krokodile oder Affen können sehr gefährlich für den Tierhalter sein, aber auch unbeteiligte Personen sind immer wieder durch entkommene Individuen gefährdet.

Recherchen von Tierschutzorganisationen zeigen: Auf Exotenmessen und in Zoogeschäften werden die Kunden keineswegs immer ausreichend über die oftmals komplexen Bedürfnisse der Tiere, mögliche Gefahren und gesetzliche Grundlagen informiert.

Auch im Fachhandel und Exotenbörsen ist eine artgemässe und sichere Unterbringung von Wildtieren nicht gegeben. In winzigen Präsentationsboxen ausgestellt sind Rückzugsmöglichkeiten und eine artgemässe Ausstattung nicht vorhanden. Als zusätzlicher Stressfaktor werden die Tiere immer wieder angefasst oder aus ihren Behältnissen herausgenommen. Sie sind einem enormen Geräuschpegel ausgesetzt und haben in der Regel stundenlange Transporte vor und hinter sich.

Völlig unterschätzt wird ebenfalls die Ansteckungsgefahr mit Infektionskrankheiten. Eine Vielzahl an viralen, bakteriellen Krankheiten, aber auch Parasiten können von Schildkröten, Leguanen, Waranen, Schlangen, Affen und Fledermäusen auf den Menschen übertragen werden. Dazu gehören unter anderem Hepatitis, Tuberkulose und Tollwut. Staatliche Gesundheitsinstitute weisen vermehrt auf die Gefahren durch Salmonellen bei der Reptilienhaltung hin. Insbesondere Schwangere, Kinder oder ältere Menschen sollten keinen Kontakt zu dieser Tiergruppe haben.

Vier Pfoten fordert

  • ein Verbot des Verkaufs von Wildtieren auf Messen und Ausstellungen.

  • eine bundeseinheitliche Regelung der privaten Wildtierhaltung durch eine Positivliste. Diese soll Folgendes beinhalten: Kriterien im Hinblick auf den Tierschutz und die artgemässe Haltung,
    zum Gefahrenpotential gegenüber Menschen und anderen Tieren und hinsichtlich der Risiken für den Natur- und Artenschutz.  

  • die Einführung eines verbindlichen Sachkundenachweises sowie Registrierungspflicht für Privathalter.

  • ein Importverbot für Wildfänge auf Bundes- und EU-Ebene.

Was sie tun können

  • Finger weg von Wildtieren! Entscheiden Sie sich am besten für ein domestiziertes Heimtier aus dem Tierheim.
  • Sollten bereits exotische Arten in Ihrem Haushalt leben, stellen Sie sicher, dass die Tiere bestmöglich den Bedürfnissen Ihrer Art entsprechend gehalten werden.
  • Besuchen Sie keine Messen, auf denen mit Wildtieren gehandelt wird