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Zwei Löwen streifen über eine Wiese

Löwenjagd: Ein Grausames Geschäft

14.12.2019

Wie Löwen für die Gatterjagd in Südafrika leiden

Einmal Löwen in Afrika erleben – davon träumen viele Menschen. Doch Südafrika ist nicht nur ein beliebtes Urlaubsziel für Tier- und Naturliebhaber. Auch viele Jäger von Grosswild zieht es jedes Jahr an die Südspitze des afrikanischen Kontinents. Besonders Löwen sind ein beliebtes «Souvenir».

Die Löwen, die für diese Trophäen sterben müssen, führen kein freies Leben in der Wildnis. 6000 bis 8000 der Grosskatzen leben aktuell auf etwa 250 Löwen-Farmen in Südafrika. In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Zahl der Löwen in Gefangenschaft verdoppelt. Rund 1000 Tiere werden jährlich von Jagdtouristen erlegt – ein Geschäft, das sich für die Anbieter lohnt. 

Eine besonders brutale und unfaire Jagdmethode ist die so genannte Gatterjagd – im Englischen «Canned Hunting». VIER PFOTEN informiert über die grausame Löwenindustrie in Südafrika, das Leid der Züchtlöwinnen, die perfiden Täuschungsmanöver der Löwenzüchter und die Rechtslage zur Löwenjagd.

Gatterjagd: Löwen haben keine Chance

Was ist Gatterjagd eigentlich? Der Name verrät es bereits: Löwen werden nicht etwa in der weiten Savanne gejagt, wo sie eine echte Chance haben, ihrem Schicksal zu entkommen. Die Jagd findet in Gehegen statt, aus denen die Löwen nicht flüchten können. Damit garantieren Betreiber den Touristen den sicheren Abschuss. Gleichzeitig können auch weniger erfahrene Jäger hier leichte Beute machen.

Die Löwen werden von Hand aufgezogen, um später keine Scheu vor dem Menschen zu haben. So haben die Jäger leichtes Spiel. Auf vielen Farmen werden die Tiere sogar mit Ködern gelockt oder medikamentös ruhig gestellt, um den Jagderfolg auch für ungeübte Schützen zu ermöglichen. Denn auf Löwenjagd darf in Südafrika prinzipiell jeder gehen. Ein Jagdschein oder ein Nachweis der Jagderfahrung sind in den meisten Fällen nicht nötig.

Gatterjagd ist ein grausames Hobby, dem nur eine wohlhabende Minderheit nachgehen kann. Ein Abschuss kann über 50'000 Franken kosten. Der Preis richten sich dabei nach dem Geschlecht und dem körperlichen Zustandes des Tieres. Je stattlicher der Löwe, desto tiefer müssen Jäger für die grausame Trophäenjagd in die Tasche greifen.

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Löwenjagd in Südafrika: Eine skrupellose Industrie

Nicht nur die Jagd auf die Zuchtlöwen ist aus Tierschutzsicht als zutiefst unethisch abzulehnen. Auch die Industrie, die dahinter steckt, fügt den Grosskatzen tagtäglich psychische und physische Gewalt zu. Der Leidensweg der Löwen beginnt bereits kurz nach ihrer Geburt. Viel zu früh werden die Löwenbabys von ihren Müttern getrennt – oft schon drei Tage, nachdem sie zur Welt gekommen sind. 

Abgesehen vom seelischen Trauma hat diese Praxis auch fatale Konsequenzen für die Gesundheit der Tiere: Durch die fehlende Muttermilch treten vielfach Mangelerscheinungen auf. Die Jungtiere leiden unter Knochendeformationen, Atem- und Verdauungsproblemen, Schilddrüsenproblemen, Kalziummangel und vielen weiteren Krankheiten, die sie als ausgewachsene Tiere stark belasten.

Auch die Haltungsbedingungen für die Jungtiere sind oft völlig inakzeptabel: Wasser, Futter oder Schatten sind in vielen Gehegen Mangelware. Im schlimmsten Falle werden weibliche Jungtiere kurz nach der Geburt getötet, da sie für die Jagd seltener nachgefragt werden als ihre stattlicheren Brüder. Die männlichen Löwenbabys werden als Touristenmagneten missbraucht. Durch die Handaufzucht werden sie gezielt auf den Menschen geprägt. Überall in Südafrika finden sich Angebote, Löwenbabys zu streicheln, zu fotografieren oder mit halbwüchsigen Löwen spazieren zu gehen. 

Für die mutterlosen Löwenbabys ist dies purer Stress: Jungtiere haben ein enormes Ruhebedürfnis, der ständige Kontakt zu Menschen und die schlechte Haltung führen zu massiven Verhaltensstörungen. Auch die körperliche Entwicklung der jungen Löwen wird stark beeinträchtigt. Nicht nur die Tiere tragen Schaden davon: Immer wieder werden Menschen von jungen Löwen angegriffen und verletzt.

Gatterjagd Löwe

Löwinnen: Zur Zucht missbraucht

Nicht nur die männlichen Löwenbabys, auch die Mütter leiden für die Industrie hinter der Gatterjagd. Die Löwinnen sind bald nach der Wegnahme ihrer Jungen wieder empfängnisbereit und werden sofort neu gedeckt. Als Gebärmaschinen missbraucht, sind sie dem andauernden Trauma ausgesetzt, ihre Babys zu verlieren. Da die Löwinnen auf diese Weise viel öfter Nachwuchs zur Welt bringen als unter natürlichen Bedingungen, sind sie nach wenigen Jahren ausgelaugt und schwach. Ihre auf diese Weise gezüchteten Jungtiere haben ebenfalls eine schlechte Konstitution.

Löwenzüchter tarnen sich als Tierschützer

Besonders perfide: Die Löwenzüchter bezeichnen sich selbst oft als Naturschützer und behaupten gegenüber Touristen, dass die Tiere zur Auswilderung gezüchtet werden. Dies ist eine offenkundige Fehlinformation! In Gefangenschaft geborene Raubtiere, insbesondere Handaufzuchten, können nicht erfolgreich ausgewildert werden.

Aus Europa werden häufig freiwillige Mitarbeiter als «Volunteers» auf die Zuchtfarmen gelockt, um bei der Löwenaufzucht mitzuarbeiten. Meist zahlen sie viel Geld für einen sechswöchigen Aufenthalt in einer sogenannten «Auffangstation» oder einem «Wildreservat». Doch derartige Angebote haben nichts mit Tier- oder Artenschutz zu tun: Die jungen Löwen leiden auf diesen Farmen. Wer hier ein Praktikum macht, unterstützt die grausame Löwenindustrie – wenn auch unwissend und ohne böse Absicht.

Auch arglose Touristen fallen darauf herein: Sie glauben, mit dem Besuch von Zuchtfarmen einen Beitrag zur Unterstützung der wildlebenden Löwen zu leisten. Leider ist dies nur ein Trick, um das blutige Geschäft dahinter zu verschleiern. Denn sobald die Löwenbabys zu erwachsenen Tieren geworden sind, werden sie zum Abschuss freigegeben.

Dies passiert meist nicht auf der gleichen Farm. Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Arten von Farmen: Einerseits die «Petting»-Farmen, also Zuchtfarmen, auf denen man die Tiere streicheln darf. Das zweite sind die Canned Hunting-Farmen, auf denen die Löwen bei der Gatterjagd ihr blutiges Ende finden. Die traurige Endstation eines südafrikanischen Zuchtlöwen ist in der Regel eine Canned Hunting Farm.

Tipp: Wenn Sie Löwen hautnah erleben und gleichzeitig ein echtes Tierschutz-Projekt für Grosskatzen unterstützen möchten, besuchen Sie unser Grosskatzenrefugium LIONSROCK in Südafrika. In LIONSROCK können Interessierte auch ein Freiwilligenprogramm absolvieren und unsere Tierschützer vor Ort unterstützen. Weitere Informationen finden Sie auf der Website von LIONSROCK.

Grosskatzen-schutzstation

Mit echtem Tierschutz haben die touristischen Löwenzuchten in Südafrika nichts zu tun. Wenn Sie sinnvolle Projekte für Löwen unterstützen möchten, legen wir Ihnen unsere Grosskatzen-Schutzstationen wie LIONSROCK, FELIDA oder TIERART ans Herz.

Rechtslage zur Löwenjagd

Gatterjagd auf Löwen ist in Südafrika immer noch erlaubt, denn die Jagd- und Zuchtindustrie wehrt sich mit allen Mitteln gegen jede Einschränkung. Hier eine kurze Chronik:

  • 2008 wurden die Löwen auf Druck der Züchter von der Liste der bedrohten Tierarten gestrichen. Mit dieser Liste (die sogenannte TOPS-Liste) wollte die südafrikanische Regierung Verbesserungen für die Tiere erreichen. Demnach mussten Tiere der betroffenen Arten für zwei Jahre selbstständig in einem natürlichen Lebensraum leben, bevor sie geschossen werden dürfen. Ursprünglich standen auch Löwen auf der Schutzliste, bis sie durch die Einwirkung der Züchter entfernt wurden.
  • 2009 hat das höchste Gericht im südafrikanischen Bundesland Free State entschieden, dass die Löwen wieder in die TOPS-Liste aufgenommen werden können. Doch auch gegen dieses Urteil hat die Vereinigung der südafrikanischen Löwenzüchter vor dem obersten Gericht des Landes Einspruch erhoben.
  • 2010 hat das oberste Gericht Südafrikas zu Gunsten der Raubtierhalter entschieden. Nach Ansicht des «Supreme Court of Appeal» habe die zuständige südafrikanische Umweltministerin mit dem Beschluss, dass Zuchtlöwen nur nach 24 Monaten selbstständigen Überlebens in einem extensivem Ökosystem gejagt werden dürfen, «keine rationale Entscheidung» getroffen. Somit bleibt die Jagd- und Zuchtindustrie weiterhin unreguliert, und das Leid der unzähligen Löwen in Gefangenschaft geht weiter.

Zwar ist auch die TOPS-Liste nicht das optimale Instrument zum Schutz der Grosskatzen, denn die Jagd verbietet sie nicht. Doch die Aufnahme der Löwen in die Liste wäre ein wichtiger Schritt zum Schutz von in Gefangenschaft gehaltener Löwen. Sie hätte zur Folge, dass viele Löwenhalter ihr schmutziges Geschäft aufgeben würden. Zuchtlöwen bleiben aufgrund der verheerenden Gerichtsentscheidung also nach wie vor ungeschützt.

VIER PFOTEN setzt sich weiter für die Löwen auf den südafrikanischen Farmen ein. Wir fordern neue gesetzliche Regelungen, die das endgültige Aus der Gatterjagd auf Löwen ermöglichen. Bitte unterstützen Sie uns dabei!

VIER PFOTEN fordert:

  • das vollständige Verbot von Gatterjagd in Südafrika.
  • ein Importverbot von Löwenjagd-Trophäen.
  • die Wiederaufnahme von Löwen in die «Threatened or Protected Species Regulation»
  • das Verbot kommerzieller Löwenzuchtfarmen.
  • das Verbot von Streichelangeboten mit Löwen.
  • die Erlaubnis der Handaufzucht von Löwen nur in Notfällen.