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Geschäftsleitung der Schweiz


 

Gerald Dick

gerald.dick@vier-pfoten.org

+41 43 311 80 90


Er leitet seit März die Geschicke von VIER PFOTEN in der Schweiz. Gerald Dick erläutert nun in einem persönlichen Interview Hintergründe über seinen Werdegang, seine Affinität zum Tierschutz und gibt Auskunft über die Zukunft von VIER PFOTEN Schweiz.


Erinnerst du dich noch, wann du zum ersten Mal mit Tierschutz in Berührung gekommen bist?

Tiere haben mich eigentlich schon immer interessiert und fasziniert, solange ich zurückdenken kann. Zwei Begebenheiten sind mir allerdings noch besonders gut in Erinnerung. Ich war etwa fünf oder sechs Jahre alt und verbrachte die Sommerferien mit meiner Grossmutter und einer alten Tante am Klopeinersee in Kärnten in Österreich. Es muss im Juni gewesen sein und alles war voller Maikäfer. Die grossen Krabbeltiere waren wirkich überall zu sehen und viele landeten auch in einem für Kinder abgezäunten Bereich am Seeufer im Wasser. Viele Kinder grausten sich vor den im Wasser zappelten Insekten, die es nicht mehr schafften, sich in die Lüfte zu erheben. Mich hat das Schauspiel fasziniert und ich begann mit meiner Sandschaufel unzählige Käfer zu retten und im Trockenen wieder in die Freiheit zu entlassen. Andere Kinder wandten sich mit Grauen ab und haben mich wohl wie einen unerschrockenen Alien empfunden.

 

Das zweite Ereignis fand bei meinem Elternhaus in Wien statt, als ein schon betagter und etwas abgemagerter Schäferhund über unseren Garten durch ein Gittertor in Richtung Strasse gelangen wollte und dabei zwischen den Gitterstäben stecken geblieben ist. Der Hund hatte qualvoll und in den höchsten Tönen gejault, als die von mir telefonisch verständigte Besitzerin in Stöckelschuhen und feinst gekleidet, der Situation gegenüber hilflos ankam. Ich habe vorgeschlagen, die Tierrettung zu verständigen und machte mich unerschrocken an den leidenden Hund. Sein Name war Arco. Ichberuhigte ihn bis zum Eintreffen der Profis, die ihn dann schliesslich befreiten. Beeindruckt vom Mut eines etwa 14-jährigen bekam ich dann als Dank eine grosse Bonbonniere, eine Süssigkeitsvielfalt, die ich zuvor noch nie gesehen hatte.

 

Heute bist du Country Director von VIER PFOTEN Schweiz. Wie sieht dein Werdegang aus?

Ich habe mich zu Beginn meiner beruflichen Karriere der Wissenschaft gewidmet und das Doktorat in Biologie erlangt. Über meine Freilandarbeit mit Graugänsen hatte ich das Glück, noch vom Medizin-Nobelpreisträger Konrad Lorenz beurteilt worden zu sein und bin dann in den angewandten Naturschutz gekommen: Danach war ich Referent im österreichischen Umweltmnisterium für internationale Natur- und Artenschutzfragen. In der Entwicklungszusammenarbeit habe ich dann später zwei Projekte in Nicaragua und in Thailand betreut. Ja und dann war ich lange Zeit beim WWF, zuletzt international zuständig für das Artenschutzprogramm in Europa und dem mittleren Osten. Die letzten 9 Jahre verbrachte ich in der Schweiz und leitete den internationalen Zooverband WAZA (World Association for Zoos and Aquariums), zunächst in Bern und dann in Gland bei Genf. Das Tierwohl spielte dort eine besondere Rolle und mündete in die erste globale Strategie für Zoos and Aquarien. Ich habe dann noch den Master in Umweltmanagement gemacht und erhielt den Professortitel durch den Bundespräsidenten in Österreich für Leistungen im Natur- und Artenschutz.

 

Welche Fähigkeiten und Interessen muss man für diesen Job mitbringen?

Was auf der Hand liegt ist das Interesse und Engagement für Tier und Natur. Das Verhältnis zu und der Umgang mit Tieren ist ja der Gradmesser für unseren Umgang mit Mitmenschen und unserer Umwelt. Für die Leitung eines Länderbüros ist aber mehr notwendig, Peronalverantwortung und die Leitung eines Teams, die Erfahrung in den Bereichen Administration, Recht, Marketing und Kommunikation, immer mit einem gehörigen visionären Entwicklungsanteil. Um die Organisation entsprechend in die Zukunft zu führen braucht es auch internationale Abstimmung und Erfahrung, um so die Bürger bestmöglich informieren und Projekte zum Tierschutz umsetzen zu können.

 

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Job aus?

In einer Leitungsfunktion hat man leider nicht täglich mit Tieren direkt zu tun, es geht viel um Organisatorisches, um Abstimmungen in Meetings –heute in den meisten Fällen über elektronische Medien –  mit Kollegen und Kolleginnen in anderen Ländern. Auch alltäglich sind Telefonate und Treffen mit Partnern hier in der Schweiz. Und natürlich fallen jeden Tag von Neuem Entscheidungen an, die gemeinsam mit den Mitarbeitern getroffen werden müssen.

 

Welche Themen und Herausforderungen haben deine Arbeit in den ersten Wochen geprägt?

Ich kenne VIER PFOTEN schon seit seiner Gründung vor 30 Jahren. Inhaltlichbin ich also bereits ein Insider, aber die gewachsene Organisation ist äusserst professionell aufgestellt, da gibt es schon einiges zu lernen, so zum Beispiel im Bereich der internen Kommunikation. Derzeit beschäftige ich mich auch intensiv mit dem grossen Leuchtturmprojekt in Arosa, dem Arosa Bärenland, welches diesen Sommer eröffnet wird – ich bin also gerade zur richtigen Zeit an Bord gekommen!

 

Inwiefern unterscheidet sich der VIER PFOTEN für dich von anderen Tierschutz-Organisationen in der Schweiz oder anders gefragt: Ticken wir Schweizer anders, wenn es um Tierschutz geht?

VIER PFOTEN zeichnet sich durch Professionalität und Lösungsorientierung im Tierschutz aus. Dieser positive Zugang ist sehr besonders und in der Schweiz wird das geschätzt und auch honoriert. Als wohlhabendes Land kann die Schweiz zum Vorreiter im Tierschutz werden. Das Potenzial ist da und ich werde die Organisation weiter in diese Richtung führen, so gut es geht.

 

Wie gut kennst du die Tierschutzthemen in der Schweiz?

Natürlich gibt es einige Besonderheiten, aber Tierschutzthemen sind in ganz Europa in vielen Bereichen sehr vergleichbar. Ich habe schon lange in der Schweiz gelebt und kenne Misstände, aber auch verschiedenste Bemühungen um eine verbesserte Nutztierhaltung. Der Konsument ist hier besonders kritisch und mündig, der Tierschutzaspekt bei der Ernährung wird daher noch verstärkt werden müssen.

 

Was werden deiner Meinung nach, die wichtigsten, zukünftigen Themen von VIER PFOTEN Schweiz sein.

Für dieses Jahr ist die Rettung und Unterbringung von Braunbären aus katastrophaler Haltung im Arosa Bärenland die Priorität. Ein wichtiges politisches Thema ist das Verbot von Wildtieren in Zirkussen, wo wir mit Partnerorganisationen schon ein gutes Stück vorangekommen sind. Daneben werden wir uns vermehrt in verschiedenen Bereichen der Nutztierhaltung engagieren, denn hier gibt es dringend HandlungsbedarfAuch die Aufklärung der Konsumenten wird in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen. Fragen wie „Woher kommen das Fleisch und die Milch, die ich konsumiere “ sind essentiell „. Wie war die Haltung der Tiere und wie wurden sie geschlachtet?“, Fragen die sich jeder vor dem Kauf stellen sollte. Zusätzlich wird sich das Schweizer Büro auch weiterhin an den internationalen Kampagnen beteiligen, wobei wir länderübergreifend agieren können und somit einer sehr hohen Zahl von Tieren zu würdigeren Lebensbedingungen verhelfen können.

 

Es gibt viele Fans von VIER PFOTEN, aber auch Kritiker. Sie sagen, dass die Schweiz ja bereits sehr fortschrittlich ist im Bereich Tierschutz. Was antwortest du?

Der respektvolle Umgang mit Tieren ist keineswegs bereits überall gewährleistet, auch wenn die Schweiz natürlich ein sehr entwickeltes, fortschrittliches und wohlhabendes Land ist. Durch die starke internationale Vernetzung von Schweizer Unternehmen und Organisationen kommt uns hier auch diesbezüglich eine Verantwortung zu. Auch wenn der Tierschutz hierzulande in vielen Bereichen schon recht streng ist, gibt es immer noch einige grössere Baustellen wiez.B. das fehlende Verbot für das Mitführen von Wildtieren im Zirkus. Da haben wir noch viel Arbeit vor uns.


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